Erstellt am 13. März 2013, 10:59

Zahlreiche „einvernehmliche Auflösungen“ im Krankenstand. Bis zu 6.000 ArbeitnehmerInnen pro Jahr suchen den Rat der AKNÖ wegen einer einvernehmlichen Auflösung eines Dienstverhältnisses im Krankenstand, vulgo einvernehmliche Kündigung.

„Das ist alles andere als ein Einzelfall“, sagt AKNÖ-Experte Maximilian Weh. Zimperlich gehen die Arbeitgeber dabei nicht vor. AKNÖ-Präsident Hermann Haneder fordert eine Neuregelung.
 
ArbeitnehmerInnen im Krankenstand zu kündigen, ist zwar nicht verboten – besonders gut kommt es in der Öffentlichkeit aber nicht an. „Viele Arbeitgeber üben daher Druck auf die ArbeitnehmerInnen aus, damit diese einer einvernehmlichen Auflösung des Dienstverhältnisses zustimmen“, erklärt AKNÖ-Experte Maximilian Weh.

Damit wird die Entgeltfortzahlung durch den Dienstgeber gestoppt, statt Gehalt gibt es dann Krankengeld von der Krankenkasse. Das heißt, die Kosten werden auf die Allgemeinheit abgewälzt und die Betroffenen bekommen obendrauf auch weniger als ihnen sonst zustehen würde.

Unter Druck am Krankenbett

Für ArbeitnehmerInnen macht es das eigentlich nicht sonderlich interessant, einer einvernehmlichen Auflösung zuzustimmen. „Aber dann steht der Chef am Krankenbett und sagt: Wenn du nicht unterschreibst, kündige ich dich und nachher kriegst du keinen Job mehr bei mir. Wenn du jetzt unterschreibst, stell ich dich nachher wieder ein“, erläutert Weh die wenig zimperlichen Methoden.

„Aber es kommt auch oft vor, dass die ArbeitnehmerInnen schon bei der Einstellung eine Blanko-Auflösung unterschreiben müssen. Der Chef setzt dann nur mehr das Datum ein, wenn sie krank werden. Das ist zwar nicht legal, das wissen aber die wenigsten.“ In Einzelfällen würden Unterschriften auch gefälscht.
 
Diese Methode betrifft tausende ArbeitnehmerInnen, sagt der AKNÖ-Experte: „Die Wirtschaftskammer stellt das als Einzelfälle dar. Aus unseren Aufzeichnungen geht hervor, dass um die fünf Prozent aller Anfragen bei uns dieses Thema betreffen. Das sind 6.000 Menschen im Jahr, die wegen einer einvernehmlichen Auflösung im Krankenstand unseren Rat suchen. Das hat System.“ Besonders betroffen sei die Zeitarbeitsbranche.

AK-Präsident Haneder für Neuregelung

AKNÖ-Präsident Hermann Haneder plädiert für eine Neuregelung: „Am einfachsten wäre es, den Entgelt-Fortzahlungsfonds wieder einzuführen, der im Krankheitsfall für die Lohn- und Gehaltsfortzahlungen einspringt“, fordert der AKNÖ-Präsident. „Das würde das Risiko solidarisch unter den Unternehmen aufteilen, niemand hätte mehr ein Interesse, kranke ArbeitnehmerInnen so schnell wie möglich loszuwerden.“