Erstellt am 07. September 2011, 10:34

Zahlreiche Migranten im Handel zu niedrig bezahlt. Die Gewerkschaft reißt derzeit im Handel eine Baustelle nach der anderen auf. Nachdem bekannt wurde, dass zigtausende Kassiererinnen zu Unrecht zu wenig Geld bekommen, orten die Arbeitnehmervertreter dasselbe Problem auch bei Angestellten, die Kunden mehrsprachig beraten - also in der Regel bei Beschäftigten mit Migrationshintergrund.

"Berät ein Beschäftigter mit beispielsweise ungarischer Muttersprache einen Kunden auf ungarisch, muss er laut Kollektivvertrag in der besser bezahlten Verwendungsgruppe 3 eingestuft werden und nicht in Stufe 2", erläuterte Karl Proyer, stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA-djp), am Dienstagabend vor Journalisten. Das sei mehrheitlich nicht der Fall.

Konkret hat die Gewerkschaft die Elektroketten Saturn und Mediamarkt im Visier, da hier die Beratertätigkeit groß und die Zahl der Beschäftigten mit ungarischer oder slowakischer Muttersprache hoch sei. Doch auch andere Unternehmen ruft der GPA-Vize dazu auf, zu überprüfen, ob Mitarbeiter, die mehrsprachig beraten, richtig eingestuft sind. Zuletzt hätten sich Anfragen zu diesem Thema gehäuft - und dem werde man nachgehen, so Proyer.

Ebenfalls auf der Agenda der GPA steht die Überprüfung der richtigen Einstufung von Führungskräften im Handel. Diese seien "durch die Bank falsch eingestuft", meinte Proyer. Er schätzt, dass zumindest ein Drittel der Handelsangestellten in leitenden Positionen weniger verdienen als sie sollten. Auf der anderen Seite verdient ein Drittel mehr. Beim Rest "passt es", wie der Gewerkschafter es ausdrückte.

Ins Rollen gebracht hat die Debatte um richtige und falsche Einstufung vor knapp vier Wochen die Veröffentlichung eines Urteils des Obersten Gerichtshofs (OGH). Dieser gab der Klage einer Handelsangestellten, einer Kassiererin, Recht, die von ihrem Arbeitgeber in der falschen Verwendungsgruppe eingestuft wurde und deshalb zu wenig Geld bekam. Die Gewerkschaft schätzt, dass in Österreich davon bis zu 25.000 Kassiererinnen und Kassiere betroffen sind. Derzeit wird hier ein gemeinsames Vorgehen mit der Sozialversicherung akkordiert. Hier wäre die bessere Einstufung vor allem wegen der Pensionszeiten interessant.