Erstellt am 03. Mai 2012, 17:02

Zweiter BAWAG-Prozess wird am 21. Mai fortgesetzt. Der fünfte Prozesstag beim zweiten BAWAG-Verfahren ist am Donnerstag rasch zu Ende gegangen, nachdem Ex-BAWAG-Chef Helmut Elsner nicht erschienen ist.

Elsner liege im Spital, erklärte Richter Christian Böhm. Und auch Elsners Nachfolger an der Bank-Spitze, Johann Zwettler, der am Freitag als Zeuge geladen war, befindet sich im Krankenhaus. Darum setzt Böhm den Prozess erst am 21. Mai fort.

Dann soll mit der Einvernahme von Zwettler der Strafprozess gegen die acht Angeklagten fortgesetzt werden. Am 22. Mai sollen dann die in die Vorgänge vom Oktober 1998 involvierten Anwälte und BAWAG-Mitarbeiter als Zeugen befragt werden.

In der heutigen Verhandlung standen vor allem Ex-BAWAG-Vorstand Josef Schwarzecker und Ex-BAWAG-Wirtschaftsprüfer Robert Reiter dem Gericht Rede und Antwort. Schwarzecker schilderte die hektischen Vorgänge im Oktober 1998, als der Vorstand von den Verlusten des Spekulanten Wolfgang Flöttl durch Elsner informierte wurde. Seiner Darstellung zufolge hatte Elsner das Gesamtpaket für die Sanierung der Flöttl-Verluste geschnürt und in der Sondervorstandssitzung am 26. Oktober präsentiert und zur Abstimmung gebracht. Ex-BAWAG-Vorstand Christian Büttner habe sich dabei gegen den Elsner-Vorschlag gestellt und protestiert.

Laut Schwarzecker bestand der Elsner-Plan darin, sich das Flöttl-Vermögen - 78 Kunstwerke und einige Liegenschaften - übertragen zu lassen. Im Gegenzug sollte Flöttl die Verluste von 639 Mio. Dollar durch neue Spekulationsgeschäfte mit BAWAG-Geldern wieder wettmachen. Letztendlich ging auch das neue Geld bei Flöttls Geschäften verloren.

Wirtschaftsprüfer Robert Reiter war seit 1993 für die BAWAG-Bilanzen zuständig. Vom Totalverlust der Flöttl-Geschäfte erfuhr Reiter am 11. November 1998, sagte er heute aus. Darüber hinaus sei Reiter auch über das Vermögen von Flöttl, die 78 Gemälde und Liegenschaften, informiert worden. Vom BAWAG-Vorstand habe er eine Auflistung der Kunstwerke erhalten, bei zwei der Kunstwerke habe er den vom Vorstand angegebenen Wert damals durch eine Internetrecherche überprüft. Zudem sei er Anfang 1999 nach Zürich geflogen, um sich elf von Ex-BAWAG-Sekretär Peter Nakowitz ausgewählte Bilder anzusehen.