Erstellt am 25. Februar 2014, 12:30

Zweitwärmster Winter in der Messgeschichte. Die Österreicher haben es ja schon geahnt, doch jetzt ist es amtlich: Der Winter 2013/2014 war der zweitwärmste in der 247-jährigen Messgeschichte.

Das bilanzierte die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) am Dienstag. Noch wärmer war es nur 2006/2007. Schnee bekam überhaupt nur der Süden zu sehen, der Norden musste sich mit ein paar Flankerl zufriedengeben.

Winter um 2,7 Grad zu mild

Während die Österreicher bereits die ersten warmen und sonnigen Tage im Freien genossen, zog die ZAMG eine erste Bilanz, da in der Klimatologie der Winter aus den Monaten Dezember, Jänner und Februar besteht, und somit die statistische Bearbeitung ganzer Monate einfacher umzusetzen ist.

"Österreichweit gesehen lag die Temperatur in diesem Winter um 2,7 Grad über dem vieljährigen Mittel", sagte ZAMG-Klimatologe Alexander Orlik. "Auf Platz eins liegt weiterhin der Winter 2006/07, der um 3,4 Grad zu mild war. Auf Platz drei liegt der Winter 1997/98, mit einer Abweichung von 2,3 Grad vom Mittel. Das bestätigt den Trend, dass sich milde Winter in den letzten Jahrzehnten häufen."

25. Dezember mit 19 Grad wärmster Tag

Die absolut höchste Temperatur in diesem Winter wurde am 25. Dezember mit 19,1 Grad Celsius am Salzburger Flughafen gemessen. Die tiefste Temperatur des Winters registrierte die ZAMG am Brunnenkogel in Tirol auf 3.437 Meter mit minus 20,7 Grad am 28. Jänner.

Extrem waren in diesem Winter auch die Unterschiede zwischen einem sehr feuchten Süden und einem sehr trockenen Norden. Auf der Nordseite der Alpen gab es nur 50 bis 60 Prozent der durchschnittlichen Niederschlagsmenge, im Süden dagegen 250 Prozent.

Bezirk Hollabrunn: Geringste Niederschlagsmenge

In einigen Regionen sind die Abweichungen noch extremer. "Im südlichen Osttirol und in Kärnten vom Wörthersee bis ins Mölltal fiel um 400 bis 500 Prozent der durchschnittlichen Niederschlagsmenge. Nördlich einer Linie von Salzburg bis Eisenstadt gab es in diesem Winter dagegen nur 38 Prozent der mittleren Niederschlagsmenge", bilanzierte Orlik.

"Das ist aus derzeitiger Sicht die geringste Niederschlagmenge in dieser Region seit dem Winter 1857/1858. In Schöngrabern bei Hollabrunn in Niederösterreich fielen auf 253 Meter im gesamten Winter nur 17 Millimeter Niederschlag."

Meister Schnee im Südwesten

Die ohnehin schon sehr niederschlagsreiche Wetterstation am Loiblpass in Kärnten auf 1.097 Metern Höhe zeigte zudem eine meteorologische Besonderheit. Seit es hier Niederschlagsaufzeichnungen gibt (1958), gab es in den ersten zwei Monaten eines Jahres noch nie so viel Niederschlag.

Im Jänner und Februar 2014 summierten sich hier 1.158 Millimeter, also um 981 Millimeter oder 556 Prozent mehr als im klimatologischen Mittel. Die 1.158 Millimeter entsprechen hier 56 Prozent der gesamten mittleren Jahresniederschlagsmenge.

Den meisten Schnee gab es im Südwesten. "In Dellach im Drautal fiel sehr viel Schnee, mit 387 Prozent des Neuschnee-Mittelwertes. Das Niederschlagsplus lag hier bei 403 Prozent. In Klagenfurt, also etwas weiter im Osten, war die Niederschlagsmenge mit 355 Prozent des Mittels ebenfalls hoch." Allerdings lag die Neuschneesumme nur drei Prozent über dem vieljährigen Mittel. Hier gab es in diesem Winter also deutlich mehr Regen als Schnee.

Extrem schneearm waren Nordtirol und Vorarlberg. In tiefen Lagen gab es hier nur etwa zehn bis 30 Prozent der hier üblichen Neuschneesummen, in Lagen ab 1.000 Meter Seehöhe waren es 50 Prozent der mittleren Neuschneesummen.

5 Prozent weniger Sonnenschein

Bei der Sonnenscheindauer wurde in diesem Winter österreichweit ein kleines Defizit von fünf Prozent verzeichnet. Wie beim Niederschlag gab es auch hier große regionale Unterschiede. Während es nördlich des Alpenhauptkammes von Vorarlberg bis ins Nordburgenland um etwa fünf bis 15 Prozent mehr Sonnenschein gab, musste Kärnten, die Süd- und Südoststeiermark und das Südburgenland mit nur 60 bis 80 Prozent der hier üblichen winterlichen Sonnenscheindauer auskommen.

Der sonnenärmste Ort war in diesem Winter St. Andrä im Lavanttal mit einem Defizit von 50 Prozent und 135 Sonnenstunden. Auch in den beiden Landeshauptstädten Graz und Klagenfurt gab es mit 220 bzw. 145 Stunden um 30 bzw. 50 Prozent weniger Sonnenschein.

Sonnigste Orte im Waldviertel und Oberösterreich

Die sonnigsten Orte waren im Waldviertel und in Oberösterreich zu finden. Um insgesamt 20 bis 40 Prozent zeigte sich in diesen Regionen die Sonne häufiger. In Weitra in Niederösterreich schien die Sonne mit 240 Stunden um 100 Stunden oder 70 Prozent länger. Am absolut längsten konnte die Sonne am Hahnenkamm genossen werden. Während des gesamten Winters schien die Sonne hier 390 Stunden.

Wirklich vermisst haben die Österreicher im Nordosten den Winter nicht, wie eine Nachfrage am Wiener Naschmarkt zeigte. "Man freut sich auf den Frühling ganz toll, dass die Blümchen kommen und dass es endlich losgeht", sagte eine Jungmama. "Ich fühle mich schon wie in meiner Heimat in Griechenland", so ein Pensionist, bereits mit Sonnenbrille auf der Nase. Der Winter sei ihm nicht abgegangen. Und: "Die Leute sind heute ganz freundlich."