Erstellt am 23. Juni 2014, 17:27

von Gerti Süss

"Würde gerne für Songcontest schreiben". Gary Lux, Sänger aus Klosterneuburg (NÖ), im BVZ-Interview über sein neues Album und den Sieg von Conchita Wurst.

Gary Lux  |  NOEN, Jeff Manione

BVZ: 24 Jahre ist es her, dass Sie Ihr letztes Soloalbum veröffentlicht haben. Was hat Sie dazu bewogen, nach so langer Zeit wieder ein eigenes Album aufzunehmen?
Lux: Mein ganz neuer Lebensabschnitt. Meine Kinder sind ausgezogen. Meine Ehefrau ist vor drei Jahren gestorben. Vor zwei Jahren habe ich jemand Neues kennengelernt. Und auf einmal war ich wieder ich selbst. Als wir dann einen Urlaub in Bali verbracht haben, sind in meinem Kopf gleich sechs Lieder entstanden. Die Zeit war reif dafür.

Und warum heißt das neue Album „Perfekt“?
Es gibt darin ja auch einen Song, der „Perfekt“ heißt, und der ist auf Bali entstanden. Das war so das erste Loslassen und die Distanz von Europa, die hier eingeflossen ist. Die Natur in Bali ist einfach perfekt.

Werden Sie auch bald wieder live auftreten?
Das wird sich zeigen. Die Leute kennen mich ja, aber ich habe so lange nichts mehr solo gemacht. Im Moment weiß ich noch gar nicht, wie viele Leute mich noch sehen wollen. Aber ich kann es ja noch und daher warte ich jetzt auf den Startschuss.

Sie haben ja schon mehrmals beim Songcontest mitgemacht. Wie hat es sich angefühlt, als Österreich heuer gewonnen hat?
Ja, das war Wahnsinn. Schon im Vorfeld habe ich gedacht, dass dieses Lied große Chancen hat. Ich war mir nur nicht sicher, ob die Kunstfigur Conchita Wurst gut ankommt. Aber es war eine perfekte Show.

Könnten Sie sich vorstellen, 2015 ein weiteres Mal für Österreich anzutreten?
Naja, ich glaube, dass der Songcontest eher den Jungen überlassen werden sollte. Ich war ja schon sechsmal dabei, davon zweimal als Solist. So etwas erfordert viel Energie, man muss körperlich topfit sein und viel Promotion betreiben. Ich sag’ natürlich niemals nie, aber es ist auf meiner Liste sicher nicht ganz oben. Aber schreiben würde ich schon gern für den Songcontest. Und produzieren. Das wär’s!

Sie haben bei vielen Musiksendungen des ORF mitgearbeitet. Heuer gab es große Debatten darüber, dass die ORF-Radios zu wenig österreichische Musik spielen. Ist das wirklich so?
Ja, natürlich. Die Quote, die da angegeben wird, inkludiert ja auch die Werbung. Und viele heimische Künstler laufen nur im Nachtprogramm. Da geht auch viel Geld ins Ausland. In den 80er-Jahren gab es eine ganz andere Musikszene. Wir haben ja auch kaum noch heimische Musikgeschäfte – da ist ein ganzer Apparat weggebrochen. Es gibt gute Musiker in Österreich. Aber wir müssen sie aus den Proberäumen holen.