Erstellt am 20. Mai 2014, 08:11

von Elisabeth Kirchmeir

20 Monate Haft für Tennisclub-Schützen. Absichtlich schwere Körperverletzung wurde jenem Mann vorgeworfen, der am 20. Juli 2013 während eines Festes einen anderen Anwesenden mit einem Schuss massiv verletzt hatte.

Schüsse in Wimpassing: Schütze vor Gericht  |  NOEN, Kirchmeir
Vor Gericht bekannte sich der 46-jährige Angeklagte am Dienstag, dem 20. Mai, reumütig schuldig. „Ich verstehe es nicht, wie man einen Menschen so schwer verletzen kann“, sagte er. Das gleichaltrige Opfer sei ein „lustiger, lieber Kerl“, den er vom Sehen gekannt habe.

Erinnerungslücken beim Täter

Was genau am 20. Juli 2013 zu fortgeschrittener Stunde am Tennisplatz in Wimpassing passiert war, daran könne er sich nicht mehr genau erinnern. Vielleicht sei sein Alkoholproblem daran schuld – im Jänner 2013 sei er deswegen in stationärer Behandlung gewesen. 2,1 Promille hatte der Angeklagte zum Tatzeitpunkt. „Damit dürften Sie eigentlich keine Erinnerungslücken haben“, wunderte sich Richterin Birgit Falb.

Es hatte während des Festes einen Zwischenfall gegeben. Der Angeklagte warf vor der Bar Gläser zu Boden und wurde deswegen vom späteren Opfer zur Rede gestellt. Es kam zu einer verbalen Auseinandersetzung. „Er haute her, ich wehrte ab und gab ihm zwei Watschen“, erinnerte sich das spätere Opfer.

„Die Watschen vor meiner Frau und der Tochter, die Lächerlichkeit“, meinte der Angeklagte, die könnten ihn so getroffen haben. Er packte Frau und Kind ins Auto, fuhr nach Hause, tippte im Schlafzimmer den Zugangscode in den Tresor und holte seine geladene Smith & Wesson heraus.

Kugel zertrümmerte Oberschenkelknochen 

Vor dem Gebäude, wo das Fest stattfand, forderte er einen Anwesenden auf, den Kontrahenten von vorher herauszuholen. Dieser hatte eigentlich weiterfeiern wollen, bei „Spanferkel und Musik“, wie er vor Gericht sagte. „Da hieß es, ich soll hinaus kommen. Er will sich entschuldigen.“

Er sah noch, wie der Angeklagte in die Tasche griff und etwas hervorzog, und gab ihm einen Stoß. Der Angeklagte stürzte, richtete sich mit dem Oberkörper auf und schoss. Der erste Schuss – aus einer Entfernung von zehn bis 25 Zentimetern abgefeuert, wie der Schuss-Sachverständige Ingo Wieser erläuterte - drang durch das Knie des Opfers in dessen Oberschenkelknochen ein, der komplett zertrümmert wurde, und blieb in der Hüfte stecken.

Der Schütze schoss noch zweimal, die Schüsse durchschlugen die Wand der Toilette, in der sich zum Glück zu diesem Zeitpunkt niemand befand. Als die Rettung eintraf, hätten sich die Sanitäter nicht einmal zu dem Verletzten getraut. „Er fuchtelte mit dem Revolver in der Hand herum“, berichtete das Opfer. Zeugen sollen den Täter entwaffnet haben.

„Wie geht es Ihnen?“, fragte die Richterin. „Schlecht“, antwortete das Opfer. Bis 14. August sei er im Spital gewesen, von Dezember bis April auf Rehabilitation. Er braucht einen künstlichen Oberschenkelknochen aus Kunststoff und eine neue Hüfte aus Titan. Nur mithilfe der stärksten verfügbaren Mittel könne er die Schmerzen ertragen. „Vorher war ich gesund, jetzt bin ich erledigt“, so das Opfer.

20 Monate unbedingte Haft

Im Namen seines Mandanten übergab Verteidiger Werner Tomanek 7.000 Euro an das von Josef Wegrostek vertretene Opfer. Weitere 3.000 Euro werden folgen, doch damit werden die Forderungen nicht beglichen sein. „Das ist nur ein Bruchteil dessen, was auf ihn zukommt. Die Reha-Kosten sind uferlos, er wird sein Leben lang zahlen müssen“, so Tomanek.

Die Einzelrichterin verurteilte den Schützen zu 20 Monaten unbedingter Haft. „Die Tat war gut geplant, die Körperverletzung wurde absichtlich zugefügt. Leider ist eine sehr schwere Körperverletzung entstanden“, erklärte die Richterin.

Der Angeklagte nahm dieses Urteil an. Die Staatsanwältin gab keine Erklärung ab, das Urteil ist nicht rechtskräftig.