Erstellt am 01. Dezember 2011, 17:10

30 Kilo Cannabiskraut geerntet: Zwei Schuldsprüche. Weil sie im Nordburgenland vier Jahre eine Cannabisplantage betrieben haben, sind eine Burgenländerin und ein gebürtiger Wiener am Donnerstag in Eisenstadt vor Gericht gestanden.

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Die Anklage warf den beiden vor, knapp 60 Kilogramm Cannabiskraut produziert zu haben. Im Beweisverfahren wurde die Menge auf 30 Kilogramm reduziert. Ein Schöffensenat unter Vorsitz von Richterin Birgit Falb fällte zwei Schuldsprüche: Die Frau wurde zu 24, der Mann zu 20 Monaten unbedingter Haft verurteilt. Gleichzeitig sprach das Gericht einen Strafaufschub in der Dauer von zwei Jahren aus.

Die Urteile sind rechtskräftig. Beide Angeklagte waren früher ein Paar gewesen und hatten sich vor zehn Jahren getrennt. Zum gemeinsam errichteten Haus hatte auch die von 2007 bis zum Sommer 2011 betriebene Cannabisplantage gehört. Die 49-Jährige fungierte laut Anklage als Kopf des Gespanns. Der 50-Jährige war, wie es sein Anwalt formulierte, "der grüne Daumen". Beide gaben an, den Großteil der Drogen selbst konsumiert zu haben. Ein geringer Teil sei verkauft worden.

Die Angeklagte bestätigte den Cannabisanbau. Es seien aber "höchstens zwischen 20 und 30 Kilo" gewesen, meinte die Frau. "Einmal im Monat ist geerntet worden", erzählte sie. Die Pflanzen seien rund einen Meter hoch gwesen: "Manchmal war mehr, manchmal war weniger drauf."

"Bei der Hausdurchsuchung war die Plantage voll. Der Platz war ausgenützt", hielt ihr der Leitende Staatsanwalt Wolfgang Swoboda vor. "Wir haben am Anfang ziemliche Misserfolge gehabt, weil wir Schädlingsbefall hatten", meinte die Frau. Sie habe wegen ihrer Schmerzen mit dem Cannabiskonsum begonnen, schilderte die Angeklagte. Sie leide an Morbus Crohn (eine entzündliche Darmerkrankung, Anm.) und habe auch Bandscheibenvorfälle gehabt.

Er habe bis zu seiner Verhaftung Cannabis konsumiert, sagte der 50-Jährige. Auf die Frage, wie viele Joints er geraucht habe, antwortete er: "Je nachdem, wie ich jobmäßig unterwegs war, drei bis fünf pro Tag." Auch er sei bereit, sich einer Drogenentziehungstherapie zu unterziehen.

"Wir haben Cannabiskraut, wir haben es in großen, teilweise in übergroßen Mengen", fasste der Staatsanwalt in seinem Plädoyer zusammen: "Es war eine Notlage, die dazu geführt hat", dazu komme ein reumütiges Geständnis. "Was man nicht außer Acht lassen darf, ist die große Menge. Es ist auch ein Geschäft daraus geworden."

"Es handelt sich um leichte Suchtgifte", beide Angeklagte seine unbescholten - aber sie seien "halt auf diese Blödheit gekommen", erbat der Verteidiger der 49-Jährigen eine bedingte Haftstrafe. Sein Mandant sei 50 Jahre und noch nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Er habe auch nie jemandem etwas weitergegeben, ergänzte der Anwalt des Wieners.

Das Beweisverfahren habe die angeklagten Fakten eindeutig ergeben, so die Vorsitzende. Aufgrund der Aussagen der Angeklagten, die von sich aus Auskunft über die Menge gaben, gehe man von 30 Kilo brutto aus. "Eine teilbedingte Strafe kommt nicht in Betracht, weil das über einen längeren Zeitraum gegangen ist und auch die Menge relativ hoch war", so die Richterin. Mildernd wirkten sich Geständnis und ordentlicher Lebenswandel aus. Beide Angeklagten, die nun binnen 14 Tagen eine Drogenentwöhnungstherapie beginnen müssen, nahmen das Urteil an. Auch der Staatsanwalt verzichtete auf Rechtsmittel.