Erstellt am 31. Oktober 2015, 11:18

von APA/Red

40 Seelsorgeräume sollen entstehen. Die Diözese Eisenstadt steht am Beginn eines Strukturwandels: Binnen eines Jahrzehnts sollen 40 jeweils mehrere Pfarren umfassende Seelsorgeräume entstehen.

Neue Basilika. Die Klosterkirche Maria Heimsuchung in Güssing, erbaut 1643. Die kirchliche Feier anlässlich der Erhebung wird voraussichtlich im November stattfinden. Diözese Eisenstadt  |  NOEN
D Sprecher der Diözese, Dominik Orieschnig, skizzierte das beim Diözesantag beschlossene Konzept für einen neuen pastoralen Weg.

Der Umsetzung sei eine zweijährige Vorbereitung unter Anleitung eines international anerkannten Experten für kirchliche Change-Prozesse vorausgegangen, in der sich der Bischof mit Dechanten, Priestern und Laienmitarbeitern "quasi auf die Schulbank" begeben habe. Der nun gestartete Prozess werde nach wie vor auf die pfarrliche Struktur aufbauen. "Es wird nicht so sein, dass Pfarren aufgelöst werden, es wird schon gar nicht so sein, dass Pfarrkirchen verkauft werden, wie das manche Großstadtdiözesen in Deutschland tun", so Orieschnig.

Größeres Netz soll auch kleinste Pfarren erfassen

Stattdessen soll die "kleinste Einheit Pfarre" mit anderen Einheiten vernetzt werden "zu einem ein bisschen größeren Netz". Dieses könne in verschiedenen Belangen zum Tragen kommen - zum Beispiel bei der Fortbildung und bei Kursen zur Vorbereitung auf den Sakramentsempfang. In der Flüchtlingshilfe habe man bereits überpfarrlich zusammengearbeitet.

Die Entwicklung sei eine Antwort auf ein demografisch völlig verändertes "katholisches" Burgenland und auf die Veränderung, die das moderne Leben mit sich bringe. Im beschlossenen Statut seien die organisatorischen Details festgehalten als "Minimalrahmen, den es braucht", erläuterte Orieschnig. Zwei bis fünf Pfarren sollen sich zu einem per diözesanem Dekret zu schaffenden Seelsorgeraum zusammenschließen, der von einem Priester geleitet wird. Dieser arbeite im Team mit anderen Geistlichen.

Aus der Komfortzone kommen

Die große Veränderung sei, dass das bisherige "Modell des Stammeshäuptlings" durchbrochen werde. Stattdessen würden Pfarrer zu Teamplayern und müssten zusammenarbeiten. Dazu müssten sie auch "ein bisschen aus der Komfortzone kommen". Das erfordere Flexibilität, um beispielsweise auch einen Gottesdienst in einer anderen Kirche zu feiern. Dazu soll im Seelsorgeraum ein Pastoralplan entwickelt und ständig weiterentwickelt werden. Lediglich dieser äußere Rahmen sei vom Statut vorgegeben.

"Das Ganze steht und fällt mit der Bereitschaft, umzudenken und hier mitzugehen", betonte Orieschnig. Der Leiter soll mit den anderen Pfarrseelsorgern, Pastoralassistenten, Pfarrsekretärinnen - je nachdem wer dem Leitungsgremium angehört - Entscheidungen und Pläne für den Seelsorgeraum treffen. Als oberstes Ziel werde angesehen, "dass das keine Alleingänge sind, sondern dass man das wirklich nur auf konsensualem Weg machen kann."

"Der Weg der Zukunft"

Ein weiteres "großes Wagnis" sei, "dass man jetzt wirklich kirchliche Gemeinschaftsgestaltung und Gestaltung von Seelsorge auch in die Hände der Leute selbst gibt". Dieses Zusammenwachsen werde sich manchen Seelsorgeräumen schneller gehen, in anderen vielleicht langsamer. In Form eines Pilotprojekts hat der Seelsorgeraum "An der Leitha" im Bezirk Neusiedl am See das neue Konzept verwirklicht.

"Das ist letztlich der Weg der Zukunft", meinte Orieschnig. "Da führt auch kein Weg daran vorbei - demografisch nicht, vom Priesternachwuchs her nicht. Man wird halt flexibel sein müssen und einfach schauen müssen: Wie kommt man mit den Strukturen, die da sind, zurande."

Der Mindeststandard sei, dass es in jedem Seelsorgeraum einen sonntäglichen Gottesdienst geben müsse. Wo genau, das mache man sich im Leitungsteam aus.

"Für den Rest der Woche muss man sich auch sicherlich von einem gewissen Anspruchsdenken verabschieden", etwa im Hinblick auf eine tägliche Messe mit Kommunionempfang. Hier müsse man realistisch werden, so Orieschnig. "Es ist keinerlei Entwertung des Christseins, es ist keine Vorenthaltung des Sakraments, wenn man das so nicht anbieten kann - und mann kann es de facto nicht."

Es brauche hier auch ein Umdenken bei den Kirchenbesuchern, "dass auch ein Wortgottesdienst eine vollwertige Liturgie ist". Für Kranke und Notleidende gebe es zudem immer eine Sondermöglichkeit.