Erstellt am 04. Mai 2016, 06:24

von NÖN Redaktion

50 Prozent Ausfall für Weinbau. Der nächtliche Frost hat vergangene Woche die Weingärten des Bezirks geschädigt. Winzer erwarten qualitativ mäßigen Wein.

Rauchig. Die nächtlichen Feuer in den Weingärten Feuer sollten die Reben vor der Kälte und vor zu plötzlicher Sonneneinstrahlung schützen. Foto: Privat  |  NOEN, privat
Die Frostnächte der vergangenen Woche haben ihre Spuren hinterlassen. „Das ganze Land ist im Weinbau von den Frostschäden betroffen.

Vorsichtigen Schätzungen zufolge wurden rund 45 Prozent der Weingartenfläche des Landes geschädigt“, so Wein-Burgenland-Geschäftsführer Christian Zechmeister: „In vielen Orten, wie etwa Halbturn oder St. Georgen, sprechen wir von einem Schaden von rund 50 Prozent.“

Oggauer Siess: „Am See ist alles kaputt“

Der St. Georgener Winzer Stefan Lichtscheidl schätzt den Schaden höher ein: „Ein Großteil der Ernte ist zerstört – teilweise sicher bis zu 70 Prozent. Nur in den Hanglagen ist es ein bisschen besser.“

Auch andere Gemeinden im Bezirk sind betroffen: „Am See, Richtung Donnerskirchen und Rust, ist alles kaputt“, so Sebastian Siess aus Oggau, wo 50 bis 70 Prozent der Trauben dem Frost zum Opfer fielen.

Winzer Leopold Sommer aus Donnerskirchen: „Wir haben in Richtung Purbach von den Hanglagen profitiert. Dort gab es weniger Staulagen, wo sich der Frost nicht hingezogen hat. Richtung Schützen hatten wir schon größere Schäden. Dort sind rund 30 Prozent unserer Flächen betroffen.“

Rauch sollte Temperatur bei Reben erhöhen

Auch auf andere Weise wurde gegen die Kälte gekämpft: mit Feuer in den Weingärten. „Mein Großvater konnte sich noch erinnern, dass er mit 15 Jahren das letzte Mal im Weingarten solche Feuer anzünden musste“, weiß Siess.

Zwischen drei und sieben Uhr morgens brannten die Feuer, deren Rauch sich in die Weingärten legen, die Temperatur dort um etwa zwei Grad erhöhen und die Stöcke vor zu plötzlicher Sonneneinstrahlung schützen sollte. Ein schwacher Trost.

„Wir hatte Glück, dass bei uns die Stöcke nicht abgefroren sind“, so Siess, doch Konrad Mariel aus Wulkaprodersdorf relativiert: „Von den Nebenaugen werden sicher welche austreiben, aber mit diesen kann man kaum einen hochqualitativen Wein machen. Es wird dieses Jahr eher Wein von einfacher Qualität geben, Barriqueausbau etwa wird schwierig. Und es wird viel weniger Wein geben.“ Das ganze Schadensausmaß wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen.


Zitiert: „Drei Hektar noch da, zehn kaputt“

„Drei Hektar sind noch da, 10 Hektar sind kaputt. Wir haben zwar versucht, mit einem Gebläse die kalten und warmen Luftschichten zu durchmischen, aber nach drei Stunden haben wir aufgegeben. Die Blätter an den Rebstöcken waren steif, es war einfach zu lange zu kalt. Im ersten Augenblick ist es ein Schock und wir werden erst in den nächsten Wochen sehen, wie es wirklich weitergeht.“
Konrad Mariel, Winzer aus Wulkaprodersdorf

„Alles ist hin. Schlimm ist, dass wir die Weingärten so bearbeiten müssen, als ob kein Frost gewesen wäre, sprich wir müssen spritzen, schneiden etc. Immerhin werden Nebentriebe für das nächste Jahr gebildet.“
Ernest Palkovich, Winzer aus Trausdorf

„Es gibt im Weinbau eine Versicherung, und zwar eine Hagel-Frost-Kombiversicherung, sie wird zu 25 Prozent vom Land und zu 25 Prozent vom Bund unterstützt. Rund 4.000 Hektar der gesamt 13.000 Hektar Weingartenfläche im Land sind versichert, also rund ein Drittel.“
Christian Zechmeister, Geschäftsführer Wein Burgenland