Erstellt am 24. Oktober 2011, 12:37

Als "Touristen" im Schlepperbus: 22 Griechen in Eisenstadt angeklagt. Ein in seiner Dimension nicht alltäglicher Prozess findet am Dienstag im Landesgericht Eisenstadt statt: Auf der Anklagebank sitzen 22 griechische Staatsbürger im Alter von 18 bis 67 Jahren.

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Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Schlepperei vor. Die Beschuldigten waren in einem Reisebus unterwegs, den die Polizei im August dieses Jahres in Wien stoppte. In dem Fahrzeug befanden sich, zum Teil in eigens angelegten Hohlräumen eingezwängt, 30 afghanische Flüchtlinge. Die Griechen fuhren laut Anklage mit, um als "Touristen" bei etwaigen Kontrollen die Grenzebeamten abzulenken.
 
Den Angeklagten wird vorgeworfen, dass sie gewerbsmäßig die rechtswidrige Einreise der Afghanen gefördert haben sollen. Beim Transport in dem umgebauten Bus sei eine größere Anzahl von Menschen für längere Zeit in einen qualvollen Zustand versetzt worden. Die Route der Schlepper führte von Griechenland über Rumänien und Ungarn nach Österreich.
 
Die Verstecke, in denen die meisten der Afghanen transportiert wurden, befanden sich durch eine Zwischendecke vom Gepäckraum abgetrennt, unterhalb der Sitze und waren lediglich rund 25 Zentimeter hoch. Während der Fahrzeit von rund zwölf Stunden mussten die Passagiere mit geringer Luftzufuhr auskommen. Eine Möglichkeit, ihre Verstecke selbstständig zu verlassen, hatten sie laut Anklage nicht. Denn diese ließen sich nur von außen und nach Abgabe eines Klopfzeichens öffnen.

Einige der Angeklagten sollen sich im Zeitraum von Juni bis August dieses Jahres auch selbst als Schlepper betätigt haben. Die 22 Griechen befinden sich in U-Haft. Sie werden von 19 Anwälten verteidigt. Das Strafausmaß im Fall eines Schuldspruches beträgt sechs Monate bis fünf Jahre. Bei der mit 18 Jahren jüngsten Angeklagten kommt das Jugendstrafrecht zum Tragen. Der Strafrahmen halbiert sich in diesem Fall und beträgt bei einer Verurteilung bis zu zweieinhalb Jahre Haft.