Erstellt am 25. Mai 2011, 15:24

„Beantrage meine Freiheit“. VERWIRRT / Cobra wurde im Februar 2010 zu einem Einsatz bei einer psychisch kranken Frau gerufen. Das Gericht entschied nun über die Einweisung in eine Anstalt.

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EISENSTADT /  „Sie können veröffentlichen, dass die Zustände auf der Baumgartner Höhe noch immer untragbar sind.“ Die Frau, die den anwesenden Reporterinnen diese Botschaft über die Psychiatrische Abteilung im Sozialmedizinischen Zentrum Baumgartner Höhe mitgab, ist 44 Jahre alt.

Sie leidet an einer chronischen Geisteskrankheit und musste sich vorige Woche vor Gericht verantworten, weil sie am 19. Februar 2010 Polizisten mit dem Messer in der Hand und wild um sich tretend und stoßend daran gehindert haben soll, sie festzunehmen.

„Wenn bei der Beschuldigten kein Zustand vorliegen würde, der die Zurechnungsfähigkeit ausschließt, dann wäre das Widerstand gegen die Staatsgewalt und schwere Körperverletzung“, erklärte Staatsanwalt Heinz Prinke. Ein Polizist war während der turbulenten Amtshandlung am Bein verletzt worden. Prinke beantragte die Unterbringung der Frau in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher.

Am 19. Februar 2010 hatte ein Nachbar die Polizei verständigt. „Wenn es ihr nicht gut geht, wird es laut“, erklärte der Zeuge vor Gericht. Die Hausparteien hörten immer wieder grelle Schreie und ein Türknallen, sahen Schmutzwäsche und Müll am Gang. „Ich habe nicht randaliert, sondern Sachen über den Balkon hinuntergeworfen, weil ich putzen wollte“, erklärte die Akademikerin, die von der Polizei zu der Verhandlung vorgeführt worden war. Später erklärte der Sachverständige für Psychiatrie, Anton Freunschlag, dass psychisch kranke Menschen immer wieder selbstständig ihre Medikamente absetzen. „Dann kommt es zu einer wahnhaft erlebten Umwelt, zu aggressiven und desorganisierten Verhaltensweisen, währenddessen sie unnütze Dinge tun.“ Zum Beispiel zwanghaft putzen, wie es die Akademikerin am 19. Februar 2010 vorhatte.

Cobra alarmiert, da kam die  Frau mit Messer heraus

 

„Sie machte die Tür nicht auf“, erinnerte sich ein Polizist, der damals bei dem Einsatz dabei war. „Wir holten die Feuerwehr, aber auch der gelang es nicht, die Türe zu öffnen.“ Deshalb habe man die Cobra verständigt.

„Da kam sie plötzlich mit einem Küchenmesser in der Hand heraus und schrie: Mich hält keiner auf!“ Einem der sechs anwesenden Polizisten gelang es, die Frau mit dem Schutzschild zu Boden zu drängen. „Das war so ziemlich der ärgste Einsatz, den ich bei ihr hatte“, erklärte einer der Polizisten. Interventionen hatte es bei der Akademikerin bereits seit Jahren immer wieder gegeben. „Meine Tochter ist nicht gewalttätig“, erklärte die Mutter der Erkrankten vor Gericht. „Sie ist laut. Wenn sie nicht schlafen kann, fängt sie an zu putzen.“

Der Gutachter stufte die Patientin als „gefährlich“ ein und empfahl eine „engmaschige medikamentöse Behandlung“ sowie eine „langjährige stationäre Aufnahme“. „Ich beantrage meine Freiheit“, antwortete die Beschuldigte. Richterin Andrea Rosensteiner beriet mit den Schöffen über das Urteil und verkündete danach: „Die Beschuldigte hat die ihr vorgeworfenen Delikte begangen und wird in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher untergebracht.“ Das Urteil ist rechtskräftig.