Erstellt am 12. November 2014, 09:00

von Elisabeth Kirchmeir

Bewag-Münzenrieder beschäftigte Detektiv. Im Prozess von Ex-Bewag Vorstand Josef Münzenrieder ging es um geheim gehaltene Aufträge an einen Wirtschaftsdetektiv.

Vor Gericht. Josef Münzenrieder, Ex-Vorstand der Bewag, der heutigen Energie Burgenland, klagte seinen damaligen Arbeitgeber auf eine Zahlung von 349.000 Euro. Er kämpft gegen seine Entlassung.  |  NOEN, BVZ
Vor drei Jahren hat das Zivilverfahren von Josef Münzenrieder gegen seinen Ex-Arbeitgeber, die jetzige Energie Burgenland, begonnen – ein Ende ist noch nicht in Sicht. Münzenrieder war gemeinsam mit seinem Vorstandskollegen Hans Lukits im Mai 2011 fristlos entlassen worden und klagte auf Zahlung von rund 349.000 Euro.

Verdacht auf „undichte Stelle im Bereich des Hauses“

Richterin Susanna Hitzel prüft mehrere Entlassungsgründe. Vorige Woche kamen jene Aufträge an einen Wirtschaftsdetektiv zur Sprache, die ohne das Wissen des Aufsichtsrates der Bewag durchgeführt worden waren. Um zu begründen, warum er den Aufsichtsrat nicht informiert hatte, holte Münzenrieder etwas weiter aus.

Bereits 2008 habe man im Zusammenhang mit einer Publikation im Magazin Format den Verdacht geäußert, es könnte eine „undichte Stelle im Bereich des Hauses oder der Organe“ geben, so Münzenrieder.

2010 habe die FPÖ „einige Artikel in der Öffentlichkeit lanciert“. Es sei um „Informationen aus dem Innersten der Bewag“ gegangen. „War das eine Intrige?“, fragte die Richterin. „Das war nicht nur eine Intrige, das war Mobbing pur“, antwortete Münzenrieder. 2008 oder 2009 seien Gerüchte geäußert worden, der Geschäftsführer einer im Ausland ansässigen Tochtergesellschaft der Bewag könnte in Malversationen verwickelt sein.

„Mister 10 Prozent“ von Detektiv durchleuchtet

Er verlangte – so der Vorwurf – sogenannte „Kickback-Zahlungen“ für die Vergabe von Aufträgen. Ein weiterer Mitarbeiter, den man „Mister 10 Prozent“ nannte, kassierte angeblich zehn Prozent der Auftragsvolumina in die eigene Tasche. Um diesen Hinweisen nachzugehen, habe man auf Vorschlag von Hans Lukits den Wiener Wirtschaftsdetektiv beauftragt, so Münzenrieder.

„Es stellte sich heraus, dass an den Gerüchten etwas dran war, es aber keine Beweise gab“, so Münzenrieder. Der Wirtschaftsdetektiv wurde auch mit der Klärung angeblicher Ungereimtheiten im Zusammenhang mit dem Verkauf mehrerer Windparkprojekte beauftragt, ohne dass der Aufsichtsrat davon Kenntnis hatte. Bezahlt wurde der Detektiv aus dem Vorstandsbudget. Der Prozess wird diese Woche fortgesetzt.