Eisenstadt

Erstellt am 17. Mai 2017, 06:15

von Elisabeth Kirchmeir

Betrug! Falscher Arzt „im Dienst“. Ein 2014 verurteilter Hochstapler gab sich erneut als Arzt aus. Versicherungsmaklerin reichte gefälschte Honorarnoten ein. Fazit: Vier Monate bedingt und 800 Euro Geldstrafe.

Vor Gericht. Ein falscher Arzt und erschwindeltes Geld.  |  Andrey_Popov/Shutterstock.com

Als Arzt hatte sich der heute 31-jährige Student aus dem Bezirk Wiener Neustadt (Niederösterreich) 2013 im Krankenhaus Eisenstadt ausgegeben. Der damalige ärztliche Leiter des Spitals vertraute den vorgelegten, aber gefälschten Zeugnissen einer Privatuni und stellte den Mann tatsächlich als Turnusarzt ein.

Nach eineinhalb Wochen flog der Schwindel auf, 2014 wurde der Hochstapler wegen schweren Betruges zu einer Geldstrafe von 1.200 Euro verurteilt. Vorige Woche saß der Mann wieder auf der Anklagebank. Neben ihm nahm eine 56-jährige Versicherungsmaklerin Platz.

Spritzen gegen Falten wurden verabreicht

Die Frau hatte einerseits für den 31-Jährigen und dessen Lebensgefährten Versicherungen abgeschlossen, andererseits hatte sie sich von ihrem Kunden, den sie als „Arzt“ kennengelernt hatte, 2015 Hyaluron-Spritzen ins Gesicht verabreichen lassen. Als sie sich bei dem 31-Jährigen in Behandlung begab, habe dieser einen sehr professionellen Eindruck gemacht. Der 31-Jährige habe ihr vorgeschlagen, Honorarnoten für erfundene Leistungen auszustellen.

„Er meinte, ich kann mir von der Versicherung etwas zurückholen“, so die Angeklagte. „Gelegenheit macht Diebe, sorry“, fügte sie hinzu. Ich wusste nicht, dass sie die Honorarnoten einreichen würde“, behauptete hingegen der falsche Arzt. Er hatte die Honorarnoten mit dem Ordinationsprogramm eines Mediziners angefertigt, für den er früher gearbeitet hatte.

Eine Honorarnote war auf den Ehemann der Versicherungsmaklerin ausgestellt worden, zwei auf den Namen der Frau. Alle Honorarnoten trugen den Namen eines medizinischen Zentrums in Wien, dessen Stempel und die gefälschte Unterschrift des echten Arztes.

Führerschein mit Doktor-Titel gefunden

Die Versicherungsmaklerin reichte die Honorarnoten bei drei verschiedenen Versicherungen ein und erhielt Teilbeträge der vorgeblich bezahlten Honorare retourniert. Insgesamt wurden 1.610 Euro rückerstattet. „Sie sind Versicherungsmaklerin und machen so etwas! Was macht das für ein Bild?“, rügte Staatsanwältin Petra Schweifer die Angeklagte. Der Schwindel flog auf, weil eine der Versicherungen misstrauisch wurde und beim medizinischen Zentrum in Wien nachfragte. Die Versicherungsmaklerin hat den Schaden mittlerweile gutgemacht.

Bei einer Hausdurchsuchung fand man bei dem falschen Arzt nicht nur Medikamente und eine Behandlungsliege, sondern auch einen Führerschein mit einem Doktortitel, der eingezogen wurden. „Ich studiere jetzt Biologie und mache im Sommer die Aufnahmeprüfung für Medizin“, gab der falsche Arzt an.

Er wurde wegen schweren Betruges zu vier Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung und 800 Euro Geldstrafe verurteilt, die Versicherungsmaklerin erhielt eine dreimonatige bedingte Haftstrafe. „Offensichtlich haben Sie eine Tendenz, sich als falscher Arzt zu betätigen“, fasste Richterin Doris Halper-Praunias die Vorfälle zusammen und warnte den „Arzt“: „Wenn das noch einmal passiert, müssen Sie mit Gefängnis rechnen.“