Eisenstadt

Erstellt am 14. Juli 2016, 12:21

von Elisabeth Kirchmeir

Erst Musik, dann Schüsse aus Fenster. Zuerst beschallte ein Mann die Nachbarschaft mit Musik, dann schoss er aus dem Fenster.

Statt die Musik leiser zu drehen, schoss ein Nordburgenländer plötzlich herum ...  |  Symbolbild

„Am Brunnen vor dem Tore...“, tönte es aus dem Nachbarhaus. Es war drei Uhr morgens. Einer Nachbarin, die bereits früher unter der Lärmbelästigung aus dem Nebenhaus zu leiden gehabt habe, brachte diese frühmorgendliche Musikberieselung das Fass zum Überlaufen. Sie nahm ihren ganzen Mut zusammen und klingelte beim Nachbarn an.

Was danach passierte, lieferte den Stoff für ein Gerichtsverfahren, das vorige Woche unter der geduldigen Leitung von Richter Alexander Glanz stattfand.

Am Schluss musste die Cobra ausrücken

Dieser sah sich nämlich mit einem 58-jährigen Angeklagten konfrontiert, dem sich nur schleppend und mühevoll Angaben zu dem Vorfall entlocken ließen, der sich am 17. April dieses Jahres in einer Gemeinde im Bezirk Eisenstadt ereignet und sogar einen Einsatz der Cobra ausgelöst hatte.

Was die gequälte Nachbarin, die mitten in der Nacht aus dem Schlaf gerissen worden war, nämlich am Haustor des 58-Jährigen stehend durch die Gegensprechanlage zu hören bekam, waren unfreundliche Worte: „Schleich di da mit deiner Scheiß-Läuterei oda i schiaß di nieda!“, soll der Mann gedroht haben.

„Ich sagte: Mach‘ die Musik leiser - und lief zurück in mein Haus“, berichtete die 54-jährige Zeugin, die der Ruhe wegen von Wien weggezogen war.

Nachbar drehte die Musik noch lauter auf

Der Nachbar soll nach der Intervention der Frau die Musik noch lauter aufgedreht haben. „Mein Sohn rief die Polizei an“, berichtete die Zeugin. Die Beamten versuchten vergeblich, mit dem Nachbarn Kontakt aufzunehmen, und rieten den Lärmopfern, am Posten Anzeige zu erstatten.

Die Polizei war weg, da fielen plötzlich Schüsse. „Mein Sohn sagte: Mama, geh nicht ins Schlafzimmer - er schießt“, berichtete die Zeugin. Zwei Schüsse seien gartenseitig abgefeuert worden, einer nach vorne zur Straße. Es sei für sie offensichtlich gewesen, dass die Schüsse gegen sie gerichtet gewesen seien, so die Zeugin. Sie habe nach wie vor Angst.

Waffenverbot wurde verhängt, Strafe ebenfalls

Zögerlich gab der Angeklagte zu, die drei Schüsse abgefeuert zu haben. Er sei in dieser Nacht alkoholisiert gewesen, habe eine Flasche Sekt und zwei Spritzer getrunken. In seinem Haus waren im Zuge des Cobra-Einsatzes diverse Waffen gefunden worden, die ihm alle abgenommen wurden. Ein Waffenverbot wurde bereits verhängt.

„Können Sie nachvollziehen, wie verängstigt Ihre Nachbarin ist?“, fragte der Richter den Angeklagten. „Nein. Ich kenne sie nicht“, antwortete der Mann.

Er wurde zu 4.500 Euro Geldstrafe verurteilt. „Es geht einfach nicht, dass man im Zuge von Nachbarschaftsstreitigkeiten schießt und droht!“, ermahnte der Richter den Angeklagten. Dieser nahm das Urteil an, auch der Staatsanwalt stimmte zu - das Urteil ist rechtskräftig.