Erstellt am 08. Oktober 2014, 07:25

von Bettina Eder

Autobahn bis zur Grenze. Das Land präsentierte Gesamtverkehrsstrategie. Aufregung herrscht wegen Autobahn-Verlängerung und der Bahnschleife.

Stolz. Landeshauptmann Hans Niessl, Verkehrskoordinator Peter Zinggl, Andreas Friedwagner und Zsolt Berki (Projektleiter Verkehrskonzept Österreich-Ungarn r.).  |  NOEN, Bettina Eder
Die A3 wird bis Klingenbach weitergehen – so steht’s in der 90 Seiten starken neuen Gesamtverkehrsstrategie des Landes, die nun der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Der Schwerpunkt des öffentlichen Verkehrs wird eindeutig auf die Schiene gelegt.

Strategie auf Basis einer Befragung erarbeitet

Erarbeitet wurde die Strategie auf Basis einer 25.000 Personen umfassenden Befragung vom Land gemeinsam mit dem Verkehrsverbund Ost-Region, den ÖBB, der Asfinag und Interessenvertretungen. Die wichtigsten Punkte, die man in den nächsten Jahren umsetzen will: schneller in die Zentren (siehe unten).

Gemeindebusse bzw. Gemeindetaxis sollen höher gefördert werden sowie Mindeststandards und Qualitätsverbesserungen bei Bus und Bahn eingeführt werden.

Fritz Zarits: „Mir ist schlecht geworden“

Unumstritten ist das Konvolut allerdings nicht, denn vor allem eine Gemeinde ist von den geplanten Maßnahmen stark betroffen. „Es ist ein Wahnsinn, wie man eine Gemeinde belasten kann, ohne sie auch nur ein einziges Mal zu erwähnen. Mir ist schlecht geworden, wie egal eine Gemeinde der Politik sein kann“, so Wulkaprodersdorfs Bürgermeister Fritz Zarits (ÖVP) zur Präsentation.

Gleich vier Strategie-Projekte betreffen die Gemeinde: der Bau der Bahnschleife, der Ausbau zweier Bahnkorridore und die Verlängerung der A3, die sich ,überraschend für Klingenbachs Bürgermeister Hans Frank (SPÖ), wieder unter den Projekten findet. Frank dazu: „Eingebunden waren wir in die Erarbeitung dieser Strategie nicht. An unserer Position hat sich nichts geändert. Wir wollen die Verlängerung nicht.“

Auch Siegendorfs Ortschef Rainer Porics (SPÖ) schlägt in dieselbe Kerbe: „Vor fünf Jahren wurde das letzte Mal darüber diskutiert. Das Projekt von damals war nichts für uns.“ – „Das wird uns als neues Konzept verkauft? Über die Schleife reden wir schon seit 35 Jahren“, ärgert sich Zarits.

Die Schleife selbst ist übrigens mit „mittelfristigem Zeithorizont“ eingestuft, eine Umsetzung soll demnach in den nächsten fünf Jahren erfolgen. Die A3-Erweiterung ist mittel- bis langfristig geplant.


Umsetzungsfelder

Verbindungen in die Zentren

  • Bessere ÖV-Erreichbarkeit von Wien und Eisenstadt aus dem Südburgenland

  • Direkte Eisenbahnverbindung von Eisenstadt nach Wien

  • Bessere ÖV-Erreichbarkeit von GrazE

  • lektrifizierung Wr.Neustadt – Mattersburg – Sopron

  • Bessere Anbindung an den Flughafen Wien

  • Ausbau der P+R Kapazitäten

  • Beseitigung von Kapazitätsengpässen im hochrangigen Straßennetz

  • Bessere Anbindung an das internationale Straßennetz


ZITIERT:

„Diese Präsentation war eine reine Lobhudelei. Der Abend war für mich ernüchtern und enttäuschend“,
Fritz Zarits, Bürgermeister Wulkaprodersdorf.

„Wir haben der Landespolitik in der Causa Bahnschleife die ganze Zeit Gesprächsbereitschaft signalisiert, aber daran ist man offensichtlich nicht interessiert“, derselbe.

„Das war uns vor fünf Jahren präsentiert wurde, kann nicht ernst gemeint gewesen sein. Damals haben sich die Gemeinden zusammengesetzt. Ich geh‘ davon aus, dass wir das wieder tun werden“, so Rainer Porics, Bürgermeister Siegendorf.