Erstellt am 25. Mai 2012, 16:54

Bootsmotoren gestohlen: Drei Monate bedingt. Zerknirscht hat am Freitag ein 58-jähriger Ukrainer im Landesgericht Eisenstadt auf der Anklagebank Platz genommen. Polizisten hatten ihn im Jänner dieses Jahres auf der Ostautobahn A4 mit vier gestohlenen Außenbordmotoren im Wagen erwischt.

Er musste sich deshalb wegen Hehlerei verantworten. Einzelrichterin Birgit Falb verurteilte den Mann, der zum Prozess aus der Ukraine nach Eisenstadt gekommen war, zu drei Monaten bedingter Haft. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

"Ich bereue das", sagte der 58-Jährige, der als Beruf Chauffeur angab und auch die rumänische Staatsbürgerschaft besitzt, vor Gericht. Er sei von der Ukraine ein- bis zweimal im Monat nach Italien unterwegs. Dort sammle er an festgelegten Haltestellen Pakete von Landsleuten und bringe sie für einen Lohn von 150 Euro pro Fahrt in die Heimat. Bei einer dieser Touren habe ihn in Italien ein Mann angesprochen: "Er kam zu mir und fragte mich, ob ich die Motoren in die Ukraine mitnehmen kann", erzählte der Beschuldigte.

Für den Transport wurden ihm bei Ablieferung 100 Euro zugesagt. In der Ukraine sollten die Motoren abgeholt werden. Der Mann habe es bei der Übergabe eilig gehabt: "Er war irgendwie so hektisch und hat gesagt, er muss zur Arbeit", berichtete der 58-Jährige.

Die Richterin wollte vom Beschuldigten wissen, ob ihm bei der Übergabe der Außenborder nicht etwas komisch vorgekommen sei. Das Diebesgut habe immerhin einen Wert von etwa 9.000 Euro. "Das weiß eigentlich jeder Mensch, dass das sehr teure Gegenstände sind. Es spricht auch für einen Diebstahl, dass die Kabel durchgeschnitten sind. Das ist schon auffällig." Auf Bildern der sichergestellten Motoren seien nämlich durchtrennte Kabel und Seilzüge zu sehen.

"Ich habe nicht darauf geschaut. Es wurde schnell aufgeladen", alles habe "sehr rasch gehen müssen", rechtfertigte sich der 58-Jährige. Nachdem ihm die Motoren in Österreich von der Polizei abgenommen worden waren, habe er jetzt in der Ukraine "große Probleme". Er werde bedroht, schilderte er: "Ich brauche irgendetwas Schriftliches, dass die Motoren tatsächlich beschlagnahmt wurden", wandte er sich hilfesuchend an das Gericht. "Ich kopiere ihnen nachher aus dem Akt das Sicherstellungsprotokoll", antwortete die Richterin.

Auch ein bedingter Vorsatz reiche für eine Verurteilung aus, erklärte Staatsanwalt Richard Ropper in seinem Schlussvortrag. Es werde keine hohe Strafe notwendig sein, um den 58-Jährigen von weiteren "Zusatztransporten" abzuhalten.

"Auch, wenn er ein bisschen herumgeredet hat, hat er sich doch schuldig gefühlt", meinte die Richterin, die Geständnis und bisherigen Lebenswandel als mildernd wertete und eine bedingte Strafe aussprach. "Damit will ich auch honorieren, dass er heute angereist ist. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Wir haben keine guten Erfahrungen mit Angeklagten aus der Ukraine." Der 58-Jährige nahm das Urteil an, der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab.