Erstellt am 02. Mai 2012, 18:38

Cannabis-Anbau im großen Stil: Sechs Schuldsprüche in Eisenstadt. Im Oktober vergangenen Jahres wurde ein illegales "Unternehmen", das sich mit der Zucht von Cannabis beschäftigt hat, von der Polizei aufgelöst.

Neun "Mitarbeiter" standen am Mittwoch in Eisenstadt vor Gericht. Ihnen wurde Suchtgifthandel und die Vorbereitung für den Handel vorgeworfen. Der Schöffensenat unter Vorsitz von Richterin Birgit Falb sprach sechs Angeklagte rechtskräftig schuldig und verurteilte sie zu teilbedingten Haftstrafen. Für die übrigen Angeklagten wurde der Prozess auf unbestimmte Zeit vertagt.

Ein Gärtner, ein Essenslieferant und ein Chauffeur, ein "Angestellter", der für die Akquise der Arbeiter zuständig war, sowie mehrere Leute, die sich um die Anmietung von geeigneten Objekten gekümmert haben, waren in dem illegalen Unternehmen zum Teil über mehrere Wochen hinweg beschäftigt. Die Ausbeute war groß: Rund 32 Kilogramm Cannabis wurden geerntet, 2.271 Cannabispflanzen sichergestellt. Bei den Angeklagten handelt es sich um eine Italienerin, zwei Österreicher und sechs Vietnamesen. Laut deren Aussagen und auch laut Verteidiger wurden die wohl wichtigsten Mitglieder, nämlich der Chef bzw. Auftraggeber und jene Personen, die "das große Geld gescheffelt haben", nicht geschnappt.

Sie hätten nur ihre Arbeit getan, erklärten die Gärtner, die für die Pflege der Cannabis-Pflanzen zuständig waren. Die Zucht wurde in drei extra dafür angemieteten Häusern im niederösterreichischen Neunkirchen sowie im burgenländischen Marz und in Antau (Bezirk Mattersburg) betrieben. Die Objekte wurden abgedunkelt, die Pflanzen fachgerecht mit Neonlicht bestrahlt. Geld hatten die Gärtner bis dato nicht gesehen.

Mit Tricks, etwa einem falschen Pass, falschen Namen und Angaben zur persönlichen Tätigkeit sollen die Mietverträge von einem Österreicher beschafft worden sein. Organisiert und aufgesetzt soll die Verträge ein bereits mehrfach vorbestrafter Kärntner haben, der als Assistent in einer Rechtsanwaltskanzlei tätig war.

Staatsanwältin Karin Lückl meinte, dass es sich hierbei nicht um "Kleinkriminalität" sondern um Drogenanbau "im großen Stil" handle. Einer der Verteidiger bezeichnete die "untere Ebene" des Cannabis-Unternehmens als "kleine Fische". Lückl forderte für die sechs Vietnamesen einen Schuldspruch im Sinne der Anklage.

Die Gärtner beteuerten vor Gericht, zunächst nicht gewusst zu haben, worum es sich bei den Pflanzen handle, die sie zu gießen hatten. "Obst oder Gemüse" gab ein Angeklagter zu Protokoll. Die Richterin kaufte das den Arbeitern jedoch nicht ab.

Das Schöffensenat verurteilte vier Vietnamesen, die als Gärtner und Erntehelfer sowie als Personalvermittler tätig waren, zu teilbedingten Haftstrafen von 18 bis 24 Monaten bedingt (davon von sechs bis neun Monaten unbedingt, Anm.). Der Fahrer und der Essenslieferant haben außerdem die Ernte organisiert bzw. den Zeitpunkt der Ernte entschieden und die Ware nach Wien gebracht. Über die beiden wurde eine Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren unbedingt verhängt. Als mildernd wurde bei allen Angeklagten die bisherige Unbescholtenheit gewertet.

Zwei Verurteilte wurden aufgrund der Dauer der Untersuchungshaft sofort entlassen. Die Verteidiger zweier weiterer Vietnamesen stellten einen Antrag auf bedingte Entlassung nach zwei Dritteln verbüßter Haft. Beide Anträge wurden bewilligt, die Männer entlassen. Die weiteren drei Angeklagten müssen zu einem noch nicht bekannten Termin erneut vor Gericht erscheinen. Dann sollen auch Zeugen geladen werden und möglicherweise die noch ausstehenden Urteile für die restlichen Beschuldigten verkündet werden.