Erstellt am 20. Oktober 2010, 00:00

City-Taxi-Betrug: Nun drei Anzeigen. BETRUG Taxler haben die Gemeinde über Jahre betrogen: Beweise gibt’s bei 580 Fahrten. Strafrahmen: bis zu fünf Jahre Haft.

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VON BETTINA EDER

EISENSTADT / Vor fast genau zwei Jahren wurde erstmals der Verdacht laut, dass mit Bürgerservicekarten seitens der Taxis Schindluder betrieben wird. Zur Erklärung: Die Stadt zahlt zu jeder Taxifahrt, die mit der Bürgerservicekarte bezahlt wird, 1,75 Euro dazu. Einige Taxler hatten sich anscheinend mehrere Exemplare der Karte „organisiert“ und so die Gemeinde mit fingierten Fahrten betrogen. Im Oktober 2008 ging man noch davon aus, dass bei 3000 Fahrten betrogen wurde. Nun gibt‘s die ersten Anzeigen. „Drei Taxifahrer österreichischer, deutscher sowie rumänischer Herkunft von zwei verschiedenen Taxiunternehmen wurden vor kurzem bei der Staatsanwaltschaft auf freiem Fuß angezeigt“, bestätigt Chefinspektor Josef Krenn vom Operativen Kriminaldienst.

Und so funktionierte es: „City-Taxis verwendeten bei Fahrgästen ohne Bürgerkarte die illegalen Karten, kassierten die fünf Euro und verrechneten aber nur eine geförderte Stadtfahrt oder sechs Stadtfahrten mit insgesamt etwa 25 Kilometern, wobei die tatsächliche Fahrt aber nach Rust ging“, erklärt er die Methoden der mutmaßlichen Betrüger.
Kassiert wurde in diesen Fällen doppelt: einmal die Barzahlung des Fahrgastes für Rust – etwa 25 Euro –, danach holten sich die Fahrer auch noch die 1,75 Euro der Stadtgemeinde. Das macht einen Reingewinn von etwa 35,5 Euro abzüglich der „investierten“ zwei Euro pro City-Taxi-Fahrt.
„Da gibt es ‚Kollegen’, die die Bürgerkarten in Stapeln austauschen – und nichts passiert“, ärgerte sich noch vor kurzem ein Taxifahrer über die schwarzen Schafe der Szene. Warum die Ermittlungen zwei Jahre dauerten, erklärt Krenn so: „Um einen Gesamtschaden für die Staatsanwaltschaft beziffern zu können, mussten wir uns zigtausende Fahrten genau ansehen und die ‚unredlichen Taxifahrer‘ praktisch auf frischer Tat ertappen.“

Chefinspektor: „Dunkelziffer ist wesentlichhöher“
Beweisbare „falsche“ Cityfahrten gab es etwa 580. „Es ist allerdings zu befürchten, dass die Dunkelziffer wesentlich höher ist“, erklärt Krenn. „Der Gesamtschaden für die Stadtgemeinde beläuft sich auf rund 1000 Euro“, erläutert Krenn. Ein Schuldspruch wegen gewerbsmäßigem Betrugs kann – trotz der scheinbar niedrigen Gesamtschadenssumme – bis zu fünf Jahre Haftstrafe bedeuten. Darüber, woher die Taxler die Bürgerservicekarten hatten, kann nur gemutmaßt werden: vergessene Karten oder von Freunden bekommen…