Erstellt am 21. März 2012, 00:00

„Das Alter ausblenden“. IM GESPRÄCH / Jürgen Marx wurde mit 12 zu 9 Stimmen zum Mörbischer Bürgermeister gewählt und spricht über Vorhaben, Kritiker und den Druck, der Jüngste zu sein.

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BVZ: Waren Sie vor der Wahl nervös?

Jürgen Marx: Nein. Wir haben uns am Vorabend noch einmal getroffen und sind die Gemeindewahlordnung durchgegangen, damit auch wirklich alles glattgeht. Jetzt bin ich froh.

 

BVZ: Wie sehen Sie die Geschehnisse im Vorfeld Ihrer Wahl?

Marx: Ich war eigentlich froh, dass sich das Ganze hinausgezögert hat. So konnte ich mich einarbeiten. Ich habe viel dazugelernt – auch darüber, wie man sich in den Medien gibt und welche Anfragen kommen.

 

BVZ: Wie ist die Beziehung zur Bezirks-SPÖ nach deren Diskrepanzen mit Peter Vargyas?

Marx: Ja, es hat Reibungen gegeben, aber wenn ein Streitpunkt da ist, geht es um eine Sache. Und wenn die Sache abgeschlossen ist, dann geht man einfach in das nächste Projekt rein.

 

BVZ: Sind Sie gut vorbereitet?

Marx: Ich fühle mich gut vorbereitet. Sicher, nach sechs Wochen kann man nicht alles. Da bräuchte man zwei, drei Jahre, und die Zeit hatte ich nicht, aber meine Mitarbeiter sind da.

 

BVZ: Welche Projekte möchten Sie vor der Wahl erledigen?

Marx: Der Wahltermin ist nicht der Termin, der zählt. Ich will schauen, dass wir den Weinwanderweg „Moost“ umsetzen können und auch einen Kinderspielplatz. Aber auch die „Tagesbetreuung für ältere Personen“ ist am Laufen. Die Umsetzung wird ein bisschen länger dauern, denn das wird was Großes. Ansonsten gibt es einige Dinge in der Infrastruktur und bei den Seespielen – die Saison steht ja vor der Tür.

 

BVZ: Haben Sie Bauchweh, eine so verschuldete Gemeinde zu übernehmen?

Marx: Es geht ja mittlerweile vielen Gemeinden nicht besser. Wenn man ins eigene Geldbörsel schaut, und es ist nichts drinnen, dann geht’s einem auch nicht so gut, aber das sind Herausforderungen, die man meistern muss. Man darf sich nicht zu große Ziele stecken, muss den Rahmen der Möglichkeiten im Auge behalten – etwa Arbeiten selbst durchführen mit Freiwilligen.

 

BVZ: Kandidieren Sie im Herbst?

Marx: Jetzt ist einmal wichtig, die Projekte, die ich mir vorgenommen habe, voranzutreiben. Ich bin ja berufstätig – 40 Stunden – und werde schauen, wie ich alles unterbringe.

 

BVZ: Wie viel Zeit haben Sie in die Einarbeitung investiert?

Marx (lacht): Ich war nur zum Schlafen daheim. Aber mir taugt das, und ich hoffe, dass mir keine Hindernisse vor die Füße geworfen werden. Ich nehme gern Kritik an, aber konstruktive Kritik.

BVZ: Gab es schon Kritik?

Marx: Natürlich gab es Kritiker, die gesagt haben: „Was will denn so ein Junger da? Ist der jetzt die Marionette vom Vargyas?“ Aber das ist normal, damit muss man leben.

 

BVZ: Was sagen Sie Kritikern?

Marx: Diese Aufgabe ist neu für mich, und sie wäre für jeden anderen auch neu – egal ob er jetzt 25 oder 50 Jahre alt ist. Kritiker kann man verstummen lassen, wenn man zeigt: Ich kann das und ich habe die Projekte umgesetzt. Man wird am Ende der Zeit sehen, was ich zustande gebracht habe.

 

BVZ: Wie gehen Sie mit dem Druck um, der jüngste Bürgermeister Österreichs zu sein?

Marx: Ich versuche, das Alter auszublenden, denn das spielt eigentlich keine Rolle. Es gibt andere junge Leute in höheren Positionen, wenn man von der ÖVP Sebastian Kurz oder Christoph Wolf hernimmt.

 

BVZ: Streben Sie ein höheres Amt an?

Marx: Ich hab’s ja schon probiert bei der Landtagswahl als Jugendkandidat, ich habe aber festgestellt: Daheim kennt man die Leute, weiß auch wirklich, wo der Schuh drückt. Das Kommunalpolitische liegt mir auf jeden Fall mehr.