Erstellt am 08. April 2016, 05:04

von NÖN Redaktion

Eine Hebamme mit Herz. St. Margarethens Hebamme Margarethe Hammerl, die auch dem Bürgermeister auf die Welt half, feierte ihren 90er.

»Hammerls Kinder«. Ihre Gratulanten, Eduard Scheuhammer, Franz Schneider und Manfred Unger (Amtmann Michael Schalling ist Eisenstädter), brachte Margarethe Hammerl (auf dem Bild unten im Text als junge Frau) einst auf die Welt. Fotos: ZVg  |  NOEN, ZVg
Als Margarethe Hammerl vor Kurzem von St. Margarethens Bürgermeister Eduard Scheuhammer und seinen Vizes zum 90. Geburtstag gratuliert wurde, konnte sie mit Recht behaupten, dass sie ihre Gratulanten – „meine Kinder“ – bereits in ihren ersten Lebensmomenten auf dem Arm hatte.

Denn 17 Jahre lang war Hammerl die Hebamme des Ortes und weitere 17 Jahre im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Eisenstadt und brachte an die 4.000 Kinder auf die Welt.

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Ihren Beruf ergriff Hammerl mit 23 Jahren durch Zufall: „Ich sah in einer Zeitung einen Aufruf der Semmelweis-Klinik, dass junge Frauen gesucht wurden, die Hebammen werden wollten. Ich wusste, das will ich“, erinnert sie sich.

Sie denkt an die Ausbildung zurück: „Oft hatten wir die ganze Nacht Dienst, mussten Leibschüsseln säubern und dann in der Früh in den Hörsaal. Wir mussten auch bei Kaiserschnitten und Abtreibungen, von denen es in der Besatzungszeit sehr viele gab, dabeisein.“

Nach zwei Jahren Ausbildung ließ sich die damals 25-Jährige erst in Oslip und Trausdorf als Hebamme nieder – „Ich besuchte oft die alte Osliper Hebamme. Die freute sich immer, weil ich ihr ein Schnapserl brachte“, schmunzelt Hammerl.

„Ich war oft Tag und Nacht unterwegs“

Später half sie auch in ihrer Heimatgemeinde den Kindern auf die Welt – „egal, ob Großbauern- oder Zigeunerkind“. Keine leichte Arbeit: „Ich war oft Tag und Nacht unterwegs, auf dem Fahrrad und bei jedem Wetter. Für mich war eine Patientin nicht mit der Geburt abgetan. Ich fuhr die nächsten fünf Tage auch noch hin, und versorgte Mutter und Kind“, erzählt sie.

Auch im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder gab es anstrengende Dienste: „Auch da kam es vor, dass ich sechs Geburten in einer Nacht hatte. Aber ich mochte den Kontakt mit den Frauen und war bei den Ärzten angesehen.“

Zum 90er kam eine besonders große Torte von einer Freundin und ehemaligen Patientin: „Ich hab sie einmal bei meiner morgendlichen Runde im Spital verblutend gefunden und so gerettet. Dafür bedankt sie sich noch heute – und ich bin heute noch froh, dass ich damals zur Stelle war.“