Eisenstadt

Erstellt am 29. Dezember 2016, 05:20

von Werner Müllner

Fleischhackers Zwischenbilanz: „Respekt vor Leistung“. Ein „Feuerwehrmann“ leitet als Kommandant die Stadtfeuerwehr, das ist wohl ein Unikum im Burgenland.

Kommandant.Werner Fleischhacker leitet die Freiwillige Feuerwehr in Eisenstadt.  |  BVZ, Müllner

Seit sechs Monaten ist Werner Fleischhacker (41) Kommandant der Stadtfeuerwehr Eisenstadt. Die BVZ fragte nach, wie es ist, wenn man als absoluter Neuling das Kommando über 110 Männer und Frauen bekommt.

Werner Fleischhacker: Es stimmt, ich war wirklich ein kompletter Neuling, als erstmals die Idee an mich herangetragen wurde, das Kommando zu übernehmen. Es ist in Eisenstadt eine Art Tradition, dass ein leitender Mitarbeiter der Bauabteilung diese Aufgabe übernimmt. Das hat den großen Vorteil, dass man auf kurzem Weg mit dem Bürgermeister und den Kollegen die notwendigen Dinge und wichtige Entscheidungen für die Feuerwehr besprechen kann.

BVZ: Wie wurden Sie akzeptiert?

Es ist wohl einzigartig, dass ein Kamerad mit dem niedrigsten Dienstgrad, also ,Feuerwehrmann‘ das Kommando leitet. Der eine oder andere ist mir schon distanziert und skeptisch gegenübergetreten. Wirklich gebrochen ist der Bann beim Feuerwehrball. Da haben die Kameraden gemerkt, dass ich auch anpacken kann… Bei der Wahl wurde ich schließlich mit 100 Prozent gewählt. Obendrein habe ich mit Wolfgang Jarmer einen sehr erfahrenen Stellvertreter zur Seite. Und diese Akzeptanz ist mir auch sehr wichtig. Denn die Feuerwehr ist hier ganz was Besonderes und Sensibles: Einerseits funktioniert ein Einsatz nur mit einer klaren Befehlskette, mit einem Sitzkreis käme man hier nicht weiter, andererseits braucht es aber auch für die vielen Veranstaltungen, Übungen und Ausbildungen viel Menschlichkeit und Fingerspitzengefühl.

Werden kurzfristig etwas im Nachwuchs tun müssen

Sie kamen als ,Betriebsfremder‘ zur Wehr. Was begeisterte Sie?

Ich habe höchsten Respekt vor der Arbeit der Leute. Wir haben an die 300 Einsätze pro Jahr. Dazu kommen die Übungen, Ausbildungen und die Festln. Das ist kein Verein, das ist quasi der Job für die Mannschaft. Da musst du mit ganzem Herzen dabei sein.

Was wird die Zukunft bringen?

Wir werden kurzfristig etwas im Nachwuchs tun müssen. Unsere Jugendmannschaft hat derzeit sechs Mitglieder, das ist wirklich nicht viel für eine Landeshauptstadt. Auch bei den unter 30-Jährigen sind wir ausbaufähig und auch vom Magistrat und vom Bauhof sind nur sechs Kollegen bei der Feuerwehr. Wir suchen Quereinsteiger. Wir sind eine Freiwillige Feuerwehr und keine Berufsfeuerwehr und werden der Bevölkerung zeigen, was wir tun und können. Begeistert von der Feuerwehr sind viele, doch der Schritt vom begeistert Sein zum Hintun ist oft ein weiter.

Wie sehen Sie die Feuerwehrumfrage, die landesweit zu Diskussionen führt?

Wir haben das mit den Kameraden besprochen und werden an der Umfrage teilnehmen. Und wie schon erwähnt, bei uns in Eisenstadt wird schon jetzt der Kommandant demokratisch gewählt.