Erstellt am 29. Juni 2011, 14:27

Elf Jahre nach Juweliereinbruch: Ungar in Eisenstadt verurteilt. Elf Jahre nach einem Einbruch bei einem Eisenstädter Juwelier ist am Mittwoch im Landesgericht Eisenstadt der mutmaßliche Täter zu vier Jahren Haft verurteilt worden.

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Ein Schöffensenat (Vorsitz: Wolfgang Rauter) sprach den 48-jährigen Ungarn wegen drei Coups bei Juweliergeschäften im Burgenland, der Steiermark und Vorarlberg schuldig, bei denen ein Gesamtschaden von rund 450.000 Euro entstanden war. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.
 
Vor elf Jahren, am 20. März 2000, war das Juweliergeschäft Kröpfl in Eisenstadt Schauplatz eines spektakulären Coups: Damals zwängte ein Einbrecher in der Nacht mit einem Bolzenschneider das Rollgitter vor der Auslage auf und schlug die Scheibe ein. Mit 78 Uhren großteils der Luxusmarke Breitling - die Beute hatte einen Wert von mehr als 185.000 Euro - machte sich der Unbekannte aus dem Staub. DNA-Spuren, welche die Ermittler in einem im Schlosspark zurückgelassenen Handschuh fanden, machten den 48-jährigen in der Angelegenheit zum Verdächtigen.
 
Ein Bolzenschneider war auch bei zwei anderen Kriminalfällen im Spiel, die laut Anklageschriften der Staatsanwaltschaften Eisenstadt und Feldkirch auf das Konto des Ungarn gehen sollen: Am 21. März 2001 waren im steirischen Hartberg Juweliereinbrecher am Werk und erbeuteten Schmuck im Wert von über 100.000 Euro. Eine sichergestellte Blutspur belastete erneut den 48-Jährigen.
 
Bei einem Coup in Feldkirch (Vorarlberg) am 17. März 2003 verfolgte ein Zeuge den Täter und merkte sich das ungarische Kennzeichen des Fluchtautos, in dem der Mann mit Uhren und Schmuck um mehr als 160.000 Euro das Weite suchte. Im Umfeld des Angeklagten stellte die ungarische Polizei bald danach Beutestücke aus dem Einbruch sicher.
 
Zum Verhängnis wurde dem 48-Jährigen schließlich eine Straftat im Jänner 2009 in Koblenz (Deutschland): Bei einem nächtlichen Juweliereinbruch - die Beute wurde damals auf 313.000 Euro geschätzt - erwischte die Polizei den Ungarn sowie einen Komplizen. Der Mann wurde zu drei Jahren Haft verurteilt und vorzeitig entlassen. Von der Zelle in Deutschland ging es für den Verdächtigen allerdings in die U-Haft nach Österreich.
 
Der Ungar stritt vor Gericht jede Beteiligung an den drei ihm in Österreich vorgeworfenen Einbrüchen ab. Der 48-Jährige überwarf sich schließlich auch mit seinem Verteidiger, der daraufhin sein Mandat für eine allfällige Berufungsverhandlung niederlegte.
 
"Er war ein hoch professioneller und auf Juweliergeschäfte spezialisierter Einbrecher", stellte der Staatsanwalt in seinem Schlussplädoyer über den 48-Jährigen fest. Dem schloss sich das Gericht an: Der Senat habe "nicht den Funken eines Zweifels", dass der Angeklagte die ihm zur Last gelegten Straftaten begangen habe, begründete der Vorsitzende den Schuldspruch. Mit Rücksicht auf die Verurteilung in Koblenz sei eine Gesamtstrafe zu verhängen gewesen.
 
Der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab. Der Verurteilte erbat sich schließlich drei Tage Bedenkzeit. Bevor er dies kundtat, wollte er allerdings genau wissen, welches Strafausmaß - hinsichtlich der Bewährung - er tatsächlich zu erwarten habe. Der Wunsch sorgte für einige Diskussionen. "Zwei Drittel (der Haftstrafe, Anm.) bekommt er sicher, in Zusammenhang mit einem Aufenthaltsverbot", beschied ihm schließlich der Richter.