Erstellt am 23. Oktober 2013, 12:56

Ermittler fünf Kilo Kokain angeboten: Haft. Als "großen Zampano" stellte sich ein 39-Jähriger gegenüber seinem Drogenkunden dar. Doch der vermeintliche Abnehmer, dem er fünf Kilo Kokain angeboten haben soll, war ein verdeckter Ermittler.

Der verhinderte Deal brachte den gebürtigen Mazedonier, der im Burgenland lebt, auf die Anklagebank im Landesgericht Eisenstadt. Ein Schöffensenat (Vorsitz: Birgit Falb) sprach den Mann wegen Suchtgifthandels schuldig und verurteilte ihn zu zweieinhalb Jahren Haft.

Zur Übergabe kam es nicht

Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Der verdeckte Ermittler des Bundeskriminalamts habe den 39-Jährigen insgesamt elfmal persönlich und telefonisch kontaktiert, so Staatsanwalt Christian Petö.

Der Angeklagte habe die Drogen zum Kilopreis von 55.000 Euro angeboten. Zur Übergabe sei es nicht mehr gekommen: "Offensichtlich hat er das nicht aufstellen können", meinte der Ankläger, der dem 39-Jährigen auch den illegalen Besitz eines Revolvers vorwarf.

"Er hat geglaubt, das ist eine Sportwaffe. Es war ihm nicht klar, dass das verboten ist", erwiderte Verteidiger Herbert Eichenseder. Sein Mandant sei im Sommer 2012 beim Harley Davidson-Treffen am Wörthersee gewesen und habe dort einen gewissen "Toni" kennengelernt. Toni sei Monate später bei ihm in Begleitung eines "Mark"aufgetaucht.

Statt "Ich will nicht mehr" auf Zampano gemacht

Mark - der Fahnder - hätte begonnen, den Angeklagten "anzubohren", ob er ihm nicht Suchtgift beschaffen könnte: "Er sagte: Ja, ich werde mich umhören, vielleicht kann ich etwas aufstellen." Sein Mandant habe auch Kontakt mit diversen Leuten aufgenommen. "Es scheiterte aber immer. Die wollten sofort Geld."

Sein Mandant habe den Fehler gemacht und nicht gesagt: "Ich will nicht mehr", so Eichenseder. Stattdessen habe er auf "großer Zampano" gemacht und gesagt, er kriege momentan keine Ware, werde aber etwas unternehmen.

Verharmlosung: "Ganz so nehme ich ihnen das nicht ab"

"Wenn das strafbar ist, was ich getan habe, bekenne ich mich schuldig. Das tut mir leid", zeigte sich der 39-Jährige zerknirscht. "Wie kommt man bitte auf die Idee?" wollte Richterin Falb von ihm wissen.

"Die sind aufgetaucht und haben gesagt, sie würden was brauchen", schilderte der Angeklagte: "Ich habe gesagt, ich werde schauen. Die haben mich immer angerufen und sind zu mir gekommen und haben gesagt: Wie schaut's aus?" Auf den Kilopreis von 55.000 Euro sei er gekommen, weil er sich in Mazedonien und in der Slowakei erkundigt habe.

"Ganz so nehme ich ihnen das nicht ab", meinte die Richterin. Auch der Staatsanwalt sah die Sache nicht so harmlos: "Sonst bleibt ja auch der VE (verdeckter Ermittler, Anm.) nicht hängen, wenn der sieht, des is' a Würschtl."

Der verdeckte Ermittler wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit befragt. Der Staatsanwalt modifizierte in seinem Schlussvortrag noch die Anklage und nahm statt eines 20-prozentigen Reinheitsgehalts beim Kokain einen Wert von 40 Prozent an. Zum Urteil gaben sowohl der Ankläger als auch der 39-Jährige keine Erklärung ab.