Erstellt am 21. August 2014, 08:23

von APA Red

Getanzte "Jahreszeiten" eröffnen Haydntage. Die Internationalen Haydntage, die in zwei Wochen eröffnet werden, haben heuer den Tanz als Ausdrucksmittel entdeckt: Zum Auftakt am 4. September setzt das Oklahoma Festival Ballet die musikalischen Bilder aus Haydns Oratorium in die Bildersprache klassischen Balletts um.

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Bis zum 14. September geben sich wieder hochkarätige Solisten und Ensembles ein Stelldichein.

"Wir versuchen immer bei den Haydntagen, einen neuen Aspekt hineinzubringen", erzählte Intendant Walter Reicher im APA-Gespräch. Nach vielen Opernproduktionen habe man schon Erfahrungen, wie sich szenische Elemente im Haydnsaal umsetzen lassen. Die Idee, Haydns Musik mit Ballett zu verbinden, sei bei einer Sommerakademie in Eisenstadt entstanden.

Vor zwei Jahren wurde sie dann mit dem Oratorium "Die Schöpfung" ebenfalls bei der Sommerakademie erprobt: "Das ist dann so schön geworden, dass ich gesagt habe: Das müssen wir eigentlich in die Haydntage nehmen." Die Wahl fiel dabei auf die Jahreszeiten. Bei der Eröffnung dirigiert Richard Zielinski den Festivalchor und die Capella Istropolitana.

Proben laufen derzeit in den USA

Im Haydnsaal werden für die zwei Aufführungen am 4. und 5. September die ersten fünf Sitzreihen entfernt. "Das wird unser Orchestergraben", erläuterte Reicher. Im hinteren Bereich der Bühne soll eine Tribüne mit acht Reihen aufgestellt werden. Der Chor wird unter dem Balkon mit den Säulen positioniert: "Der Rest der Bühne ist komplett frei für das Ballett."

Das Oratorium wurde in den USA bereits vorgeprobt. Knapp eine Woche vor der Eröffnung beginnen dann die Proben in Eisenstadt. Was die Konzertbesucher erwartet? "Es ist klassisches Ballett mit modernen Tanzelementen dabei", so Reicher. Vom Zugang her soll ein Eindruck entstehen, "wie wenn sie sich in St. Petersburg Dornröschen anschauen im Mariinski-Theater."

Warum überhaupt Ballett zur Musik der Jahreszeiten? "Die Musik braucht das nicht", meinte Reicher. Haydn habe so starke Eindrücke hinterlassen und vertont: "Aber das gibt uns auch wieder die Berechtigung, dass wir ein Stück hier zusätzlich mit einem Element befragen.

Man bringt ein zusätzliches Element behutsam dazu und das ist in dem Fall Tanz. Haydn hat ja Bilder vertont, die er im Kopf gehabt hat, die in den Worten drinnen sind. Und jetzt geben wir noch diese Choreografie dazu."

Jede Jahreszeit wird getanzt

Im Gang durch das Jahr gibt es für jede Jahreszeit eine eigene Solotänzerin. Auch Szenen wie die Jagd oder die Weinlese werden tänzerisch umgesetzt, schildert Reicher. Doch auch der musikalische Genuss sei ungeschmälert möglich: "Wenn man im Haydnsaal sitzt und dann genug von Bildern hat, macht man einfach die Augen zu und man ist wieder in einem normalen Oratorium."

Zu den Haydntagen kommen auch heuer wieder "Spezialisten" ihres Fachs wie die Academy of Ancient Music oder La Stagione Frankfurt. Zum Arienabend mit Koloratursopran Simone Kermes meinte Reicher: "Das wird Rock'n'Roll auf der Bühne." Und Adam Fischer, der die Österreichisch-Ungarische Haydn Philharmonie dirigiert, sei schon "ein hundertprozentiger Eisenstädter."

Die Programmplanung für 2015 sei fertig, bei 2016 sei er "mitten drinnen und schon ziemlich weit", für 2017 und 2018 gebe es das Grundgerüst und die ersten Brückenpfeiler, schilderte Reicher. "Wir machen es uns auch nicht leicht, weil wir sagen: Wir sind das Haydn-Festival. Wir machen hier spezielles Programm, das Sinn machen muss für unsere Örtlichkeit, das Sinn machen muss für Haydn, das Sinn machen muss für unser Publikum."

 Mit dem Vorverkauf für die diesjährigen Haydntage ist der Intendant "sehr zufrieden." Einige Konzerte seien bereits voll, jedoch lohne sich eine Anfrage immer: "Es gibt Karten. Es sollte niemand sich abschrecken lassen."

Die Haydntage bildeten im Vergleich zu den Programmen anderer Festivals "eine Nische. Und wir sind auch nicht so groß. Da muss man mit dem punkten, was uns einzigartig macht", so Reicher: "Wir sind das Podium für die weltbesten Haydn-Interpreten. Das Gesamt-Oeuvre steht bei uns am Programm – nicht nur von Haydn, sondern wir setzen sein Werk immer in Beziehung zu anderen."

Haydn lebte 40 Jahre in Eisenstadt

Haydn sei so wichtig in der Musikwelt, "von ihm aus kann man überall Bezüge herstellen. Wir scheuen es auch nicht, diese Bezüge zu machen, ganz im Gegenteil, das macht es auch bunt."

Dazu komme die spezielle Atmosphäre in Eisenstadt, wo Haydn 40 Jahre lang lebte: "Auf Englisch würde man sagen: Eisenstadt is Haydn's Graceland – das umreißt's eigentlich", meinte Reicher in Anspielung an den Kult um Elvis Presley und dessen Anwesen in Memphis, Tennessee, wo der "King of Rock' n' Roll" auch begraben ist.

Infos: http://www.haydnfestival.at/haydn_de