Erstellt am 24. November 2010, 00:00

Es gibt keine Entschuldigung. EKLAT / Bei einer Ausstellung kam es zuerst zu einem Verbalgefecht und dann zu einem Handgemenge. Pfarrer Peter Okeke bekam eine volle Weinflasche auf den Kopf.

Pfarrer Peter Okeke: »Ich bin ein offener, selbstbewusster katholischer Priester.« BVZ  |  NOEN
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VON MARTIN PLATTENSTEINER

PURBACH / Bei einer von Marlene Gstettner organisierten Ikonen-Ausstellung explodierte am Freitagabend ein Pulverfass. Hauptdarsteller waren das Aussteller-Ehepaar und Pfarrer Peter Okeke.

Nach einer verbalen Auseinandersetzung und einer Remplerei vor den versammelten Gästen griff Marlene Gstettner zur Flasche – und warf diese Okeke an den Kopf. Die Folge: Eine Beule, ein Rettungs- sowie Polizeieinsatz und eine Anzeige wegen vorsätzlicher Körperverletzung. Letztere wurde pikanterweise nicht vom Pfarrer, sondern von Personen, die bei der Veranstaltung anwesend waren, erstattet.

Zur Vorgeschichte: Beide Parteien gingen sich in den letzten acht Jahren tunlichst aus dem Weg. Doch der Schein trog: Bei Marlene Gstettner brodelte es gehörig. „Der Pfarrer wollte uns wieder einmal demütigen“, lässt Marlene Gstettner kein gutes Haar an Okeke. Er soll in seinem Buch „Der Trommler Gottes“ die Familie Gstettner verunglimpfen und als rassistisch darstellen. Davon distanziert sich Marlene Gstettner: „Ich war jahrelang bei der Caritas in ethnischen Arbeitsgruppen tätig, mein Mann war Religionspädagoge.“

Per Mail ausgeladen: Kam  die Nachricht falsch an?

„Ich habe Pfarrer Okeke am Donnerstag per E-Mail von der Ausstellung ausgeladen“, erklärt Marlene Gstettner nach dem Vorfall. „Diese Nachricht kam in die Pfarrkanzlei“, rechtfertigt sich Okeke. „Diese ist nur von Montag bis Mittwoch besetzt. Ich habe das Mail erst am Sonntag gesehen.“ Nach seinen Angaben hätte er sich, im Wissen über die „Ausladung“, den Besuch der Veranstaltung „gut überlegt“ und sich „mit Freunden darüber besprochen“. Er habe auch eine offizielle Einladung über die Gemeinde – wie sie an alle Haushalte ergangen ist – bekommen.

Als Okeke am Freitagabend mit Bürgermeister Richard Hermann das Kulturzentrum in Purbach betrat, brannten zuerst bei Ehemann Robert Gstettner die Sicherungen durch. Es soll zu unschönen Wortgefechten und Handgreiflichkeiten gekommen sein. „Ich musste meinem Mann helfen“, schildert Marlene Gstettner ihre Aktion. „Das war kein Blackout. Ich habe ein Recht darauf, meine Person zu schützen. Ich fühlte mich so brüskiert.“ Den Schlag – mit einer Weinflasche – auf den Kopf des Pfarrers leugnet sie nicht. „Im Nachhinein ist man immer schlauer“, meint sie einige Tage nach dem Eklat. „Vielleicht hätte ich die Polizei rufen sollen, damit der Herr Pfarrer geht.“ Nun wird es ein Wiedersehen vor einem (weltlichen) Gericht geben. An eine Aussprache oder eine Versöhnung ist derzeit nicht zu denken. „Okeke sucht nur eine Bühne, um uns zu brüskieren“ so Marlene Gstettner. „Unsere Familie ist jetzt für die nächsten Generationen in Purbach gezeichnet.“

Nach Schlag eine Woche  im Krankenstand

Pfarrer Peter Okeke sieht sich selber als einen offenen Menschen, der mit allen Leuten reden kann. „Ich habe nichts zu verstecken, lasse mich aber auch nicht einschüchtern. Den jetzigen Bekanntheitsgrad hätte ich mir aber gerne erspart.“ Zurzeit befindet sich Okeke noch im Krankenstand (er unterrichtet an der Volksschule Breitenbrunn und in der Neuen Mittelschule Purbach Religion). „Ich hatte in meinem Leben noch nie Kopfweh“, schildert der Pfarrer, „jetzt aber schon. Ich kann nur auf einer Seite kauen.“ Kommenden Montag möchte er wieder seiner Arbeit nachgehen.