Erstellt am 17. April 2013, 00:00

Ex-Banker arbeitet. Freigang / Der verurteilte Banker darf die Justizanstalt verlassen, um bei einem Unternehmer im Bezirk einer Beschäftigung nachzugehen.

Im Gericht. Zu 5,5 Jahren wurde der Banker verurteilt. Foto: Hafner  |  NOEN, Hafner
Von Bettina Eder und Doris Fischer

BEZIRK EISENSTADT /  „Das ist kein Gerücht, sondern die Wahrheit. Seit 1. März arbeitet er bei mir im Baumarkt“, bestätigte der Bauunternehmer aus dem Bezirk Eisenstadt-Umgebung die Meldung, wonach der im Vorjahr verurteilte Bankmanager in seinem Baumarkt angestellt sei. Der Banker hatte 9,5 Millionen Euro an Kundengeldern veruntreut und damit einige Unternehmungen, vor allem in Ungarn, finanziert. Vor drei Jahren klickten die Handschellen, im Mai 2012 wurde er zu 5,5 Jahren verurteilt. Die Untersuchungshaft wird angerechnet.

Gehalt des Freigängers an Bund überwiesen 

Seine Haft „sitzt“ der Ex-Banker in der Justizanstalt Schwarzau (Niederösterreich) ab. Dass ein Häftling als Freigänger einer Arbeit nachgehen darf, hängt grundsätzlich von seinem Vorleben ab, sprich, ob es sich um eine erstmalige Verurteilung oder einen Wiederholungstäter handelt. „Handelt es sich um eine nicht gefährliche Person, kann er bereits zwei Jahre vor Strafende, meistens bei einer Reststrafe von zwölf Monaten, um Freigang ansuchen. Freigänger verlassen zu gewissen Zeiten die Haftanstalt, um einer Beschäftigung nachzugehen“, erklärt Oberst Günter Wolf, Leiter der Justizanstalt Eisenstadt, allgemein zur Freigang-Thematik. Nach einer eingehenden Prüfung kann der Anstaltsleiter einen Freigang genehmigen.

Die „Ausgehzeiten“ werden genau festgelegt: So wird die Anfahrtszeit und die Rückfahrt in die Ausgangszeit mit eingerechnet. Entlohnt wird der Freigänger nach dem Kollektivvertrag. „Grundsätzlich bekommt das Geld, das ein Freigänger verdient, das Finanzministerium“, ist aus der Justizanstalt Schwarzau zu erfahren. Demnach erhält der Insasse rund 90 Euro zu seiner freien Verfügung und rund 90 Euro gehen als Rücklage auf ein Konto – für die Zeit nach dem Vollzug.

Fußfessel hingegen könnten, so der Justizanstaltsleiter, nur dann beantragt werden, wenn die Resthaftzeit weniger als zwölf Monate beträgt.

Der Unternehmer erklärt seine Motivation: „Man muss den Menschen eine zweite Chance geben. Das ist ein junger Bursch und den kann man nicht ein Leben lang abstempeln.“ Mit seiner Arbeit ist der Unternehmer ebenfalls zufrieden: „Er macht seine Arbeit tadellos.“ Die spielt sich übrigens wieder in der Welt der Zahlen ab: Der Freigänger erstellt Kostenvoranschläge und stellt Rechnungen aus.