Erstellt am 14. Mai 2012, 11:05

Ex-Bankmitarbeiter veruntreute Kundengelder - Drei Jahre Haft. Im Prozess gegen einen früheren Mitarbeiter der Bank Burgenland, der über mehrere Jahre hinweg Kundengelder abgezweigt haben soll, hat der Schöffensenat im Landesgericht Eisenstadt am Montagnachmittag einen Schuldspruch gefällt.

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Weil er im Zeitraum von 2002 bis 2011 Geld von Konten seiner Kunden abgezweigt haben soll, ist ein ehemaliger Mitarbeiter der Bank Burgenland am Montag in Eisenstadt zu drei Jahren unbedingter Haft verurteilt worden. Ein Schöffensenat (Vorsitz Wolfgang Rauter) sprach den Angeklagten wegen Untreue, Veruntreuung und Urkundenfälschung schuldig. Der Bank Burgenland, die sich dem Verfahren als Privatbeteiligte angeschlossen hatte, wurden rund 516.000 Euro zugesprochen. Zwei weiteren Geschädigten wurden insgesamt 14.600 Euro zuerkannt.

"Es geht hier um circa 900.000 Euro, die untreuemäßig entzogen worden sind", erkläre Staatsanwalt Roland Koch. Der Angeklagte soll nach der Methode "Loch auf, Loch zu" Fehlbeträge mit neuen Malversationen ersetzt haben. Die Geschädigten seien in erster Linie alte Leute gewesen, die zwar großteils geistig rege, aber in einer Form - sei es beim Lesen oder Hören - hilfsbedürftig waren. Sie hätten keinen besonderen Überblick über ihre Finanzen, jedoch durchaus namhafte Beträge auf den Konten liegen gehabt.

"Das ist halt nicht die feine, englische Art und das zeigt halt schon, dass es ein hohes Maß an krimineller Energie war", meinte der Ankläger. In zweiter Linie habe der Schaden die Bank getroffen. Um die Unterschlagungen abzudecken, habe der Ex-Bankmitarbeiter in zahlreichen Fällen Urkunden gefälscht, indem er Paraphen oder Unterschriften auf den Belegen nachgemacht habe, schilderte der Staatsanwalt.

"Er hat über seine Verhältnisse gelebt, überhaupt keine Frage", räumte Verteidiger Manfred Ainedter ein. Jedoch habe der 34-Jährige ein schwer krankes Kind zu Hause gehabt und sei "als Alleinverdiener ziemlich unter Druck" gestanden. Die Malversationen seien über Jahre nicht aufgefallen: "Dadurch, dass es relativ leicht ging, hat er es halt weiter betrieben."

Der Angeklagte nannte vor Gericht familiäre Probleme als Auslöser für die ihm angelasteten Delikte. 2002 sei seine Tochter schwer herzkrank zur Welt gekommen und habe ein Jahr, an einen Monitor angeschlossen, zu Hause bleiben müssen. Zu den Kosten für Therapie und Krankenhausaufenthalte sei noch der Hausbau gekommen, bis er es als Alleinverdiener "finanziell nicht mehr geschafft" habe, erzählte der Angeklagte. Er habe auch viel in Haus, Garten und Swimmingpool investiert: "Ich habe versucht, ein guter Vater zu sein und jedem alles zu ermöglichen."

Dass er laut Anklage außerdem in seiner Tätigkeit als Kassier einer Ortsfeuerwehr 10.000 Euro abgehoben und sich einverleibt haben soll, wies er zurück: "Ich habe wirklich niemals Geld von der Feuerwehr veruntreut."

Zeugen nannten vor Gericht Summen, die der Ex-Banker veruntreut haben soll. Ein Mann bezifferte den Schaden, der seiner Tante entstanden sei, mit rund 70.000 Euro "am untersten Limit". Ein anderer Zeuge berichtete, bei ihm seien 13.500 vom Konto "verschwunden". Eine 86-jährige Frau machte den Ex -Banker dafür verantwortlich, dass ihr neben dem Geld, das sie bereits zurück erhalten habe, noch 13.000 Euro fehlten. Der Angeklagte bat die Frau um Verzeihung: "Ich möchte mich entschuldigen. Es tut mir sehr leid."

Staatsanwalt Koch forderte in seinem Schlussplädoyer eine tat- und schuldangemessene Bestrafung. Der Angeklagte habe die im Strafgesetzbuch festgelegte Grenze von 50.000 Euro um das 18-fache überschritten. "Hier ist kein Platz mehr für eine bedingte oder teilbedingte Straffreiheit", erklärte der Ankläger: "Ich will den Kindern nicht den Vater nehmen. Man muss aber sagen: So geht's nicht."

"Wenn man den Ausführungen des Herrn Staatsanwalts zuhört, glaubt man, es gibt fast nichts Ärgeres. So ist es nicht", entgegnete Verteidiger Ainedter. Wenn man richtig gewichte, sei der Nettoschaden rund 500.000 Euro plus-minus. "Das ist nicht die Welt, wo man jemanden jahrelang einsperren muss."

Das Gericht fällte einen Schuldspruch: "Es wäre ein falsches Signal an alle, die mit Geld zu tun haben, insbesondere im Bankenbereich, wenn diese Geschichte verharmlost wird", erklärte der Vorsitzende in seiner Urteilsbegründung. Als mildernd wurden die großteils geständige Verantwortung und die teilweise Schadenswiedergutmachung gewertet. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Der Angeklagte erbat Bedenkzeit.