Erstellt am 04. April 2016, 14:06

von APA/Red

Falsche Stundenabrechnung: Sozialpädagogin vor Gericht. In Eisenstadt stand seit Montagvormittag eine Sozialpädagogin wegen schweren Betruges und gewerbsmäßigen Diebstahls vor Gericht.

 |  NOEN, ROBERT PARIGGER (APA (Archiv/Parigger))
Die 53-Jährige soll für nicht erbrachte Betreuungen jahrelang Rechnungen geschrieben haben und somit mehr als 144.000 Euro zu viel verrechnet haben. Außerdem soll sie eine Klientin, die den Fall ins Rollen gebracht hat, zum Stehlen angestiftet haben.

Auf der Anklagebank mussten neben der 53-Jährigen auch die 33-jährige Klientin wegen gewerbsmäßigen Diebstahls sowie eine 52-jährige Kollegin wegen gewerbsmäßigen Betruges und Diebstahls Platz nehmen. Die beiden Sozialpädagoginnen bestritten die Taten, die 33-Jährige zeigte sich geständig.

"Das stimmt alles nicht"

"Das stimmt alles nicht", gab die 53-jährige Hauptangeklagte vor dem Schöffensenat unter Vorsitz von Richterin Karin Lückl zu Protokoll. Die Betreuung sei über dem normalen Maß hinaus erfolgt. "Es hat keine Barrieren gegeben", erzählte sie. Die Klientin habe auch nachts und zum Teil betrunken bei ihr angerufen. Das Verhältnis sei anfangs schwierig, dann aber sehr nah - "im Nachhinein betrachtet zu nah" - gewesen. Zu viel verrechnet hätte sie aber nie. "Ich habe die Stunden gemacht. Das ist ein völliger Schwachsinn." Aber: "Ich weiß, dass ich das (die Stundenaufzeichnung, Anm.) schlampig gemacht habe".

Diebstähle habe es nie gegeben, schon gar nicht die Anstiftung dazu. Einmal habe sie gestohlene Ware der Klientin in einem Supermarkt bezahlt - Katzenfutter, "und ich habe zwei Hunde, was soll ich da mit Katzenfutter". Die 33-Jährige blieb jedoch bei ihren Vorwürfen und gab an, in sieben Jahren sehr häufig Diebstähle begangen zu haben. "Sie (die Hauptangeklagte, Anm.) hat gesagt, sie braucht so viel, weil sie so viele Ausgaben hat. Sie hat mich gefragt, ob ich mich das trau und mir gesagt, du schaffst das sicher. Sie hat mich auch gelobt und gesagt, ich mache das wie ein Profi, weil ich in den ganzen sieben Jahren nur einmal erwischt worden bin", schilderte die Klientin.

Auch mit der 52-jährigen Sozialpädagogin und der Hauptangeklagten sei sie am Werk gewesen. Die beiden hätten etwa eine Verkäuferin abgelenkt und sie habe dann Ware mitgehen lassen. Dies bestritt allerdings auch die Kollegin der Hauptangeklagten.

20 Zeugen befragt

Am Nachmittag wurde ein Teil der rund 20 geladenen Zeugen befragt. Dabei stellte sich heraus, dass die Klientin im Vorfeld eine Zeugin kontaktiert haben soll, um ihr zu sagen, sie solle sagen, dass die Hauptangeklagte mehr Stunden verrechnet habe, als sie gearbeitet habe.

Der Prozess wurde zunächst bis Dienstagnachmittag anberaumt. Ob dann schon ein Urteil fallen wird, blieb am Montagnachmittag offen. Der Verteidiger der beiden Sozialpädagoginnen kündigte bereits an, ein Gutachten der Klientin beantragen zu wollen. Sie solle an einem Borderline Syndrom erkrankt sein.