Erstellt am 04. Januar 2012, 07:58

Freiraum für Obdachlose. NEU / Haus in der Meierhofgasse wird zum Zufluchtsort für Obdachlose. Leitung übernimmt der Verein „Freiraum Pannonia“.

Engagiert. Freiraum-Obmann Robert Tobler und Tafel-Obfrau Andrea Roschek stehen den Hilfsbedürftigen mit Rat und Tat zur Seite.  |  NOEN
x  |  NOEN

VON MARIO KANITSCH

EISENSTADT / „Irgendwann ging es dann bergab mit mir. Ich bekam Depressionen und hatte oft Panikattacken. Ich begann meine Probleme hinunterzuschlucken und trank öfter mit dem Chef oder Gästen. Dann lernte ich einen Mann kennen. Er war spielsüchtig, Alkoholiker und mir gegenüber oft gewalttätig. Er hat mich finanziell ruiniert. Von einem Tag auf den anderen musste ich plötzlich das Haus verlassen – und wenig später war ich hier“, schildert eine der ersten Bewohnerin der neuen Zufluchtsstätte ihre Erlebnisse.

In Kooperation mit der „Pannonischen Tafel“ wurde vor kurzem der „Freiraum Pannonia“ ins Leben gerufen. Ein gemeinnütziger Verein, der Menschen, die aus verschiedensten Umständen ohne Obdach sind, vorübergehend ein Dach über dem Kopf gibt und sie mit dem Notwendigsten ausstattet.

Für die Beherbergung würde  mehr Platz benötigt

„Seitdem wir die Tafel gegründet haben, waren wir immer wieder damit konfrontiert, dass es Leute gibt, die plötzlich vor die Tür gestellt werden. Dabei ist oft die Rede von Einzelfällen. Aber denen ist im Winter trotzdem kalt. Leider fühlt sich da sonst niemand zuständig“, erklärt Tafel-Obfrau Andrea Roschek die Beweggründe für das Projekt. Für sie ist es das Wichtigste, zuerst einmal die aktuelle Lage der Betroffenen zu stabilisieren.

„Wir schauen vor allem, wie dringend die Situation ist, was die Ursache dafür ist und ob wir die aktuelle Wohnung doch noch irgendwie erhalten können“, so Roschek weiter.

In dem Haus in der Meierhofgasse, welches durch die F.E. Privatstiftung kostenlos zur Verfügung gestellt wird, ist nicht viel Platz, daher sucht die Initiative einen Ausweichplatz für den karitativen Flohmarkt, der sich zurzeit ebenfalls noch im Haus befindet. Mit den Einnahmen des wöchentlichen Flohmarktes möchte man die Betriebskosten der Notunterkünfte und die notwendigen Aufwände für eine Rückkehr ins geregelte Leben hereinbekommen.

Beide Vereine finanzieren sich über Spenden und Sponsoring. „Gerade in der Weihnachtszeit sind die Leute immer sehr spendenfreudig. Danach wird es leider immer weniger. Wir würden so ein ähnliches Fest wie Weihnachten auch im Sommer brauchen“, sagt Andrea Roschek. Alleine für den Erhalt der „Pannonischen Tafel“ werden im Monat etwa 2000 Euro benötigt.

Der „Freiraum Pannonia“ ist aber nicht nur Schlafplatz, sondern begleitet bei Behördenwegen und im Alltag. Jeder Anlass wird gemeinsam gefeiert. So musste den Weihnachtsabend auch heuer niemand alleine verbringen.

„Wie viele Leute hier unterkommen könnten, möchte ich gar nicht sagen. Wenn Not am Mann ist, würden wir auch 50 Personen unterbringen. Wichtig ist, dass diese Menschen Obdach bekommen“, sagt Andrea Roschek.