Erstellt am 18. Februar 2015, 06:30

von Nina Sorger und Werner Müllner

Fuzo: Sterbend oder totgeredet?. Die SPÖ Eisenstadt entfachte eine heiße Diskussion über den Zustand der Innenstadt: Top oder Flop?

Eines von drei Sorgenkindern. Das Café Steiner steht nach Pensionierung leer.  |  NOEN, Müllner
Die Eisenstädter Fußgängerzone hat eine – im wahrsten Sinne des Wortes – „wechselhafte“ Geschichte: Geschäfte kommen, Geschäfte gehen.

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Mit Jahresende hat Willi Steiner sein Café (Foto links) geschlossen, und mit Ende Jänner schloss die BawagPSK ihre Pforten in der Fuzo und zog in die Hauptpost, auch das Gebäude der Drogerie Haenlein steht leer.

Die SPÖ legt die Finger in die offene Wunde: „Wenn man in der Fußgängerzone unterwegs ist, merkt man: Es ist nichts los, am Abend ist die Stadt ausgestorben. Es gibt kaum noch Geschäftsleute, die sich trauen, hier ein Geschäft aufzumachen, weil die Stadtgemeinde keine Rahmenbedingungen und Anreize schafft. Bürgermeister Steiner hat es geschafft, die Stadt zu erledigen. Man rollt dem Burger King den schwarzen Teppich aus und vergisst auf die kleinen Gastronomen“, empört sich SPÖ-Vizebürgermeister Günter Kovacs.

Analyse stelle Standort gutes Zeugnis aus

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Bürgermeister Thomas Steiner (ÖVP) ärgert sich: „Wieder einmal beschimpft Kovacs unsere Stadt und unsere Unternehmer. Darin sieht er offenbar die einzige Möglichkeit, sich politisch zu artikulieren.“

Für ein Mitglied des Gemeinderates sei das „beschämend und unangebracht zugleich. Vor allem vor dem Hintergrund, dass Eisenstadt österreichweit Jahr für Jahr in den Top drei liegt, wenn es um die Lebensqualität und Kaufkraft geht und mit seinem Blumenschmuck und gepflegten Ortsbild ein Aushängeschild des Landes ist.“



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Stadtmarketing-Präsidentin Ulrike Pruggnaller-Altdorfer sieht das ähnlich: „Seit dem Jahr 2000 werden in der Innenstadt Frequenzzählungen durchgeführt. Eine der letzten Messungen aus dem Vorjahr zeigte, dass die Passantenfrequenz in der Fußgängerzone, gemessen an der Einwohnerzahl und auch im Vergleich mit anderen Städten in gleicher Größe, sehr positiv ist.“

Diese Analyse stelle dem Standort bei der aktuellen Frequenz ein gutes Zeugnis aus. „Besonders positiv wird das freie Parken ab 16 Uhr hervorgehoben! In der Fußgängerzone gibt es zum Glück sehr wenig Leerstände - bei einigen Geschäften scheitert es nicht am Interesse, sondern an rechtlichen und familiären Gegebenheiten!“, betont Pruggnaller-Altdorfer.

Buchinger: „Da oder dort hat Kovacs recht…“

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SPÖ-Stadträtin Renée Maria Wisak legt indes nach: „Es gibt nichts für die Kinder, darauf sprechen mich Familien an. Also sollte man den Mini-Spielplatz in der Fußgängerzone ausbauen, auch Anreize für Sechs- bis Siebenjährige schaffen.“

Günter Buchinger (IVB) betreut zahlreiche Immobilien in der Fußgängerzone: „Da oder dort hat Kovacs recht, aber so krass sehe ich das nicht. Wir glauben an die Innenstadt, sonst würden wir hier nicht investieren. Klar wäre Gratisparken toll, das ist aber eine Frage der Finanzierung. Und eines kommt dazu: Für die großen Ketten ist der Standort Eisenstadt zu klein.“

Buchinger merkt auch an, dass es nicht von Vorteil gewesen sei, dass die Fachhochschule oder auch das Technologiezentrum am Stadtrand gebaut wurde und viel Publikum abzog. Die SPÖ fordert: „Zum Beispiel kein Entgelt für Werbung vor dem eigenen Geschäft. Parkerleichterungen für Einkaufswillige oder Unterstützung für Unternehmen, wenn sie sich in der Fuzo ansiedeln wollen.“

„Das Stadtmarketing steht für Regionalität und aktive Werbung für unseren Wirtschaftsstandort – das sichert unsere Arbeitsplätze in Eisenstadt. Ich möchte Vizebürgermeister Kovacs ersuchen, Eisenstadt nicht einmal mehr schlecht zu reden, sondern einen konstruktiven Beitrag zu leisten“ so Altdorfer-Pruggnaller. Kovacs kündigt an, in der nächsten Gemeinderatssitzung „die Problematik der Innenstadt zu thematisieren“.