Erstellt am 13. April 2011, 00:00

Gegenwind für Schleife. WIDERSTAND / Die Grundstückseigentümer wehren sich gegen den geplanten Bau der Bahnschleife Müllendorf.

Neue Bahnschleife. Rot markiert, quer über den Hotter und nördlich der Gemeinde verläuft die 1,8 Kilometer lange Bahnstrecke.ZVG  |  NOEN
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VON BETTINA EDER

BEZIRK / „Freiwillig werden wir die Gründe nicht hergeben. Das haben wir schon besprochen“, erklärt Stefan Iwanschitz kämpferisch. Er ist Obmann-Stellvertreter der Erhaltungsgemeinschaft Wulkaprodersdorf, die sich jetzt gegen den Bau der ÖBB-Schleife Eisenstadt-Wulkaprodersdorf wehrt. Das sei das Ergebnis einer Sitzung der Besitzergemeinschaft. Iwanschitz ergänzt: „Den Eigentümern wird unnötig Schaden zugefügt – für ein Bahnprojekt, das keiner braucht.“

Genauso wie Iwanschitz ärgert sich auch Rudi Kollwentz, Getreidebauer aus dem benachbarten Großhöflein, dass noch niemand offiziell mit den betroffenen Grundstückseigentümern gesprochen hat. Kollwentz dazu: „Ich wäre nicht erfreut. Ich lebe vom Bewirtschaften und nicht vom Verkaufen.“

Drei Hektar seines Grundes wären vom Bau des 1,8 Kilometer langen Schleifengleises betroffen. Diese soll die ÖBB-Strecke Wulkaprodersdorf Abzweigung Bruck an der Leitha (Richtung Eisenstadt) mit der Raaberbahn-Strecke Wulkaprodersdorf-Ebenfurt verbinden. Dabei soll die Bundesstraße angehoben und eine Brücke errichtet werden. Insgesamt sollen laut ÖBB 17,8 Millionen investiert werden, um den Eisenstädtern einen direkten und schnelleren Weg nach Wien zu ermöglichen.

Haller: „Wenn sie nicht  gebaut ist, ist‘s uns lieber“

In der Gemeinde Wulkaprodersdorf hat man sich mit dem Projekt mehr oder weniger arrangiert. Bürgermeister Rudi Haller dazu: „Das ist das kleinste Übel. Der Plan ist ja von uns vorgeschlagen, mit dem können wir leben, aber wenn die Schleife gar nicht gebaut wird, ist es uns noch lieber. Besser, billiger und einfacher wäre es, wenn man ein paar Schnellzüge auf der Ostbahn einführen würde.“ Wichtig für die Gemeinde ist allerdings noch eine weitere Straßenbrücke über die Bahn. Haller dazu: „die Brücke fordern wir noch ein. Sonst sind wir vom Naherholungsgebiet abgeschnitten.“ „Die Zeit hat das Projekt mittlerweile überholt. Wir sind der Meinung, dass die Schleife zu wenig bringt. Es macht nur Sinn mit der Schleife Ebenfurth – und die wird es nicht geben“, ärgert sich UDW-Sprecherin Grete Krojer. Denn schon im Juni 2002 pochte das Land auf den Bau der Schleifen Eisenstadt (bis 2006) und Ebenfurth. So sollte das „Traumziel“ erreicht werden, statt der jetzt 67 in etwas über 40 Minuten von Eisenstadt nach Wien zu gelangen.

Von dieser Zeit wäre man aber auch nach dem Bau der Schleife Wulkaprodersdorf weit entfernt, diese bringt nur wenige Minuten. Um 40 Minuten Fahrzeit zu erreichen, müsste auch die Schleife Ebenfurth und der Ausbau der Pottendorfer Linie umgesetzt werden. Dieses Projekt ist allerdings in der Warteschleife – bis mindestens 2020.

Und auch der Zeitplan für die Schleife Wulkaprodersdorf – Baubeginn noch 2011 und Fertigstellung Ende 2012 – wird nur schwer einzuhalten sein, denn laut Helmut Held, Hauptreferatsleiter der Verkehrsabteilung, „ist das Projekt beim Land noch gar nicht eingereicht“.

Und auch ÖBB-Sprecher Christopher Seif lässt den Baubeginn offen: „Es kann leicht sein, dass wir etwas später fertig werden. Das hängt auch von den Anrainern ab.“ Diese werden aber laut Insidern den Bau nicht verhindern, sondern nur verzögern können, denn „die Schleife wird gebaut, da fährt die Eisenbahn drüber!“