Erstellt am 04. September 2015, 12:02

von Wolfgang Millendorfer

Haydnfestival verlässt das Schloss. Verhandlungen endgültig gescheitert: Nach 2016 sind die Haydntage auf Schloss Esterházy Geschichte. Für Eisenstadt gibt’s dadurch aber noch mehr Haydn. Zur endgültigen Trennung nahm jetzt auch Esterházy-Direktor Karl Wessely Stellung.

Esterházy-Direktor Karl Wessely (M.) mit Immobilien-Chef Christian Janisch (r.) und Michael Wild von der Rechtsabteilung.  |  NOEN, Wolfgang Millendorfer
Ausgerechnet zur Eröffnung der Internationalen Haydntage kam in einer finalen Gesprächsrunde das Aus: Nachdem sich die Privatstiftung Esterházy und das Land Burgenland nicht über die Fortführung des Mietvertrages einigen konnten, muss das renommierte Festival nach 2016 das Eisenstädter Schloss verlassen.

Streit ums Schloss tobt schon länger

Esterházy plant eine völlig neuartige Veranstaltungsreihe mit reichlich Haydn im Programm. Zugleich will aber auch das Land mit Festival-Intendant Walter Reicher weitermachen und ab 2017 möglicherweise das Eisenstädter Kulturzentrum bespielen.

Der Streit um das Schloss tobt zwischen Land und Esterházy bereits seit langer Zeit. Wie berichtet, sah sich Esterházy wegen „politischer Querelen“ veranlasst, die Verhandlungen über die Verlängerung des Mietvertrages abzubrechen.

Kulturlandesrat Helmut Bieler und Intendant Reicher wiederum meinten, die Schloss-Eigentümer würden das erfolgreiche Festival an sich reißen wollen.

Ab 2017 gibt’s zwei Festivals in Eisenstadt

Zur endgültigen Trennung nahm jetzt Esterházy-Direktor Karl Wessely Stellung. Der Knackpunkt: Das Land wolle nicht mit Esterházy zusammenarbeiten, man habe sich jedoch einen Partner gewünscht, mit dem man Projekte – wie ein Orchester in Residence oder Opern-Inszenierungen im Schloss –  umsetzen wollte.

Dem Land unterstellt Wessely jahrelange „Scheinverhandlungen“, denn eine Kooperation sei auch im ursprünglichen Vertrag von 2009 festgeschrieben worden.

„Wir hätten das gerne mit den Haydnfestspielen gemacht“, so Wessely, „wir wollten Walter Reicher auch nichts wegnehmen, sondern gemeinsam stärker sein.“ Seitens des Landes sieht sich Esterházy jedoch provoziert.

Bieler: „So kann man nicht zusammenarbeiten“

Kulturlandesrat Helmut Bieler spricht im Gegenzug von einem „plumpen Versuch einer Schuld-Umkehr“. Esterházy wolle die Haydnfestspiele aus dem Schloss aussperren: „So kann man nicht zusammenarbeiten. Der Privatstiftung Esterházy, vertreten durch Dr. Ottrubay, ist jedes Mittel recht. Die Haydnfestspiele sollen aus dem Schloss gesperrt werden, weil Dr. Ottrubay sein eigenes Süppchen kochen will.“

Jährlich seien seitens des Landes rund 100.000 Euro an Miete ins Schloss geflossen, im Gegenzug sei man auf elf Millionen Euro geklagt worden.

Eisenstadts Bürgermeister Thomas Steiner hatte versucht, neuerliche Gespräche zu ermöglichen und sieht das Ende als „Ausfluss des langjährigen Streites“ zwischen Land und Esterházy: Zu viel Porzellan sei in den letzten Jahren zerschlagen worden. Die Haydnpflege werde aber weitergehen, so Steiner: „Für Joseph Haydn und seine Musik ist in Eisenstadt 365 Tage im Jahr Platz.“

Die Konzerte im Schloss will Esterházy ab 2017 mit einem „unpolitischen“ Trägerverein umsetzen, ein Konzept wird derzeit erarbeitet. Zugleich bleibt auch der Verein der Haydnfestspiele bestehen. Wenn es an die Planung der „doppelten“ Haydn-Konzerte geht, will man sich zumindest nicht in die Quere kommen, wird bereits jetzt angekündigt.

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