Erstellt am 24. September 2015, 05:52

von Werner Müllner

Helfen vor Ort: „Alles wegen einer Gelse“. In der Pannonischen Tafel treffen sich täglich Flüchtlinge und Helfer, meist geht es um Hilfe bei Behörden- oder Arztwegen oder ganz einfach, um unter Menschen zu sein.

Kein Danke. Petra Geiger-Kletzl (l.) und Karoline Szivatz helfen eheramtlich in der Tafel. Was sie nicht wollen ist ein »Danke«: »Wir brauchen es nicht, wenn jemand kommt und sich bei bedankt, weil wir helfen. Wir machen es, weil wir es wollen. Wenn es jemand toll findet, dann soll er es auch machen.«  |  NOEN, Werner Müllner
Die Eisenstädter „Pannonische Tafel“ an der Neusiedler Straße hat sich im Stillen zur Flüchtlingszentrale in Eisenstadt entwickelt. Rund ein Dutzend Mitarbeiter helfen die Sachspenden zu sortieren, zu kochen, aber vor allem unterstützen sie die Flüchtlinge bei Behörden- und Arztwegen.

„Wie muss es den Flüchtlingen dann erst gehen…“

Petra Geiger-Kletzl und Karoline Szivatz sind zwei der guten Seelen in der Tafel. Wenn sie nicht in der Tafel sind, dann wird über Facebook eine Lösung für das eine oder andere Problem gesucht.

x  |  NOEN, Thomas Koch/shutterstock
Fragt man die beiden nun, warum sie sich so engagieren, dann lächelt Geiger-Kletzl: „Bei mir fing alles mit einer Gelse an.“

Und erklärt: „Meine Tochter Marie wurde im Zimmer von einer Gelse genervt.“ Marie verblüffte ihre Mama: „Wenn mich diese eine Gelse schon so nervt, wie muss es den Flüchtlingen dann erst in ihren Zelten gehen…“

Das war der Startschuss für eine Moskitonetz-Aktion.

Über Facebook & Co. suchte sie nach Verbündeten, die ein Moskitonetz um wenige Euro spendeten. Nach wenigen Tagen waren alle Flüchtlingsbetten versorgt. Aber neben Gelsen plagen die beiden viel größere Sorgen. „Ich habe Angst, dass uns auch mal so etwas passiert und wäre genauso froh, wenn uns jemand hilft…“, erklärt Karoline Szivatz ihr Engagement.

Szivatz kümmert sich derzeit um Unterkünfte für Flüchtlinge: „Man muss unterscheiden, ob es um die Erstaufnahme geht, bei der man Erste Hilfe leistet: Kleidung, medizinische Versorgung und Verpflegung, Behördenwege. Das betrifft zum Beispiel jene, die in Eisenstadt in den Zelten untergebracht sind.“

Die andere Gruppe sind jene Flüchtlinge, die um Asyl angesucht haben, bereits erfasst wurden und auf die Abwicklung ihres Asylansuchens warten.

Zeit sinnvoll nutzen: „Freizeitbetreuer“ gesucht

Geiger-Kletzl: „…und jene, die warten, brauchen vor allem Menschen, die etwas mit ihnen unternehmen, die ihnen das Land näher bringen, mit ihnen die Sprache lernen.“ Hier werden dringend Helfer gesucht. Nach dem Ende der Ferien wurden die Helfer weniger, der Schulbetrieb begann wieder, die Urlaube waren zu Ende.

„Es geht um nichts anderes, als dass jemand mit ihnen Fußball spielt, ihnen die Stadt zeigt und ihnen hilft, sinnvoll die Zeit zu vertreiben“, erklären die beiden.

Natürlich geht die Arbeit auch ans Gemüt, Szivatz: „In der Tafel kam ein Vater mit seinem Sohn auf mich zu. Der Sohn hatte an der Hand eine tiefe, unversorgte Schnittwunde. Über das Rote Kreuz konnte eine Behandlung im Spital organisiert werden. Als Dankbarkeit zeichnete mir der Vater ein Bild einer Kerze mit den Worten: „Du bist mein erstes Licht seit langer Zeit.“

Natürlich gibt’s auch andere Momente: „Es ist nicht so, dass wir für alle die Hand ins Feuer legen würden, aber das Positive überwiegt“, erklären die beiden Damen.

Und natürlich gibt es auch etliche Momente zum Lachen, Karoline Szivatz erzählt: „Im Schwimmbad fischte ich im letzten Moment einen jungen Flüchtling aus dem Wasser. Um zu imponieren hatte er vorgegeben ein toller Schwimmer zu sein…“

Hilfsaktionen im Bezirk

Alteisen für Hilfe. Hackl-Container in Wulkaprodersdorf startet mit dem Samariterbund eine Aktion: Am kommenden Freitag (13 – 18 Uhr) und Samstag (9 – 14 Uhr) soll Altmetall aufs Gelände gebracht werden. Der Verkaufswert wird verdoppelt und die Summe der Flüchtlingsaktion „Helfen. Wie wir“ zur Verfügung gestellt.

Hilfswerk sammelt. Das Hilfswerk startet eine Sammelaktion. In den Seniorenpensionen werden Hygieneartikel entgegengenommen. Gebraucht werden dringend: Haarshampoo, Flüssigseifen, Kämme, Einweg-Rasierer, Rasierschaum, Duschgel, Zahnpasta, Zahnbürste, Papiertaschentücher, Wattestäbchen, Hygieneartikel, Windeln und Babypflegeprodukte. Seniorenpension Purbach, Schulgasse 19 und Seniorenpension Eisenstadt, Schwarz Platz 3.

Infoabend. Gemeinsam mit allen in Eisenstadt ansässigen Freiwilligen-Organisationen und Behörden lädt Bürgermeister Thomas Steiner zu Infoveranstaltung „Flüchtlinge und Asyl“ ein: Mittwoch, 30. September, 18 Uhr im E_Cube.