Erstellt am 16. Oktober 2014, 12:43

von APA/Red

Hohensteiner-Raub: Schweigen über Drahtzieher. Am zweiten Tag im Prozess um den Überfall auf den Juwelier Hohensteiner in Eisenstadt wurde heute, Donnerstag, zunächst erneut der Angeklagte befragt.

 |  NOEN, Mathias Schranz
Er erzählte dem Geschworenensenat, dass der Drahtzieher des Überfalls auch der Fahrer des Fluchtautos gewesen sei. Der Name des Mannes sei bisher "nirgendwo erwähnt" worden, sagte der 27-jährige Serbe, der Fragen nach Hintermännern wieder auswich.

"Ich habe nie eine Feuerwaffe verwendet"

Dies sorgte auf der Richterbank zunehmend für Missfallen. Lediglich über den Vater des toten angeblichen Schützen wusste er, dass dieser "einer der größten Kriminellen in der Stadt gewesen" sei. Bei der weiteren Befragung stellte sich heraus, dass dieser Mann nicht mehr unter den Lebenden weilt.

Die Geschworenen befragten den Serben, wie es die Bande mit der Mitnahme von Waffen bei den Überfällen halte: "Ich habe nie eine Feuerwaffe verwendet", antwortete dieser. Die Anklage hält ihn hingegen für den Mann, der den Schuss abgefeuert haben soll, der einen jungen Uhrmacher ins Gesicht traf.

Auch das Vorleben des 27-Jährigen kam zur Sprache: Die Vorsitzende des Geschworenensenats, Birgit Falb, konfrontierte ihn mit Ermittlungsergebnissen, wonach in Deutschland in acht Fällen - mehrere Einbrüche und Autodiebstähle sowie zwei Raubüberfälle - DNA-Spuren ihm zugeordnet worden seien.

Er werde gerne zu diesen Fällen Auskunft geben - allerdings dann, wenn ihn die deutschen Behörden dazu befragen würden, gab sich der Angeklagte auch hier wortkarg.

Am Vormittag wurden weitere Zeugen befragt

Er blieb dabei, dass beim Raub 2005 in Eisenstadt ein bisher nicht in den Ermittlungen vorgekommener vierter Mann auf den jungen Uhrmacher geschossen habe. Doch dieser habe in die Luft schießen wollen "und es war keine Absicht, jemanden anzuschießen".

In einem abgehörten Telefonat, das zwei ebenfalls ins Visier der Ermittler geratene Männer geführt hatten, wurde darüber gesprochen, dass anscheinend der 2012 wegen des Raubes verurteilte und irrtümlich zu früh entlassene Komplize der Schütze gewesen sei. Der Angeklagte stritt dies ab. Die Wahrheit sei, dass der vierte Mann geschossen habe.

Am Vormittag wurden weitere Zeugen befragt. Einige sagten aus, dass sie den silbergrauen Fluchtwagen beim Juweliergeschäft parken gesehen hatten. Im Wagen habe sich niemand befunden. Auch die Mutter des Mannes, der laut dem Angeklagten geschossen haben soll, soll noch gehört werden.

Offene Fragen zum vierten Räuber

Der Geschworenensenat befasste sich außerdem ausführlich mit dem angeblichen vierten Räuber. Er soll laut Aussage des Angeklagten den Schuss, der den Uhrmacher traf, abgefeuert haben. Dazu wurde die Mutter des 2011 verstorbenen Mannes befragt. Sie bestätigte, dass ihr Sohn bei dem Überfall geschossen habe.

Das Gericht wollte von der 49-Jährigen sehr detailliert wissen, wie ihr Sohn gelebt habe und wie es dazu kam, dass er ihr von der Tat erzählte. Etwa drei bis vier Jahre nach dem 2005 verübten Raub habe er begonnen, sich "eigenartig" zu verhalten, berichtete die Frau.

Als er einmal betrunken nach Hause gekommen sei, habe er ihr erzählt, "dass er bei einem Raub in Österreich einen Burschen verletzt hat und dass er geschossen hat." Auch von einem Überfall auf eine Tankstelle habe er berichtet.

Der Sohn habe Probleme in der Familie gehabt: "Mein Mann war ein Krimineller", erzählte die 49-Jährige. Er sei 1998, als sie bereits von ihm geschieden war, erschossen worden.

Nachmittag: Ermittler soll aussagen

Details ließ die Befragte mehrmals unbeantwortet: "Ich weiß nur, dass es gegen Ende 2005 war", antwortete sie auf die Frage, wann der Raub, von dem ihr der Sohn erzählte, stattgefunden habe. Dass sich nun der 27-Jährige wegen einer Tat, die eigentlich ihr Sohn begangen habe, verantworten müsse, habe sie durch Zufall von der Mutter des Angeklagten erfahren.

Richter Wolfgang Rauter wollte von der Zeugin wissen, warum eine Frau, wenn sie eine liebende Mutter sei, die Information weitergebe, dass ihr Sohn ein Mörder sei und damit das Ansehen des Toten beschmutze. "Das ist meine moralische Verpflichtung", gab die Frau zur Antwort, sie wolle "keine Gewissensbisse" haben.

Das Gericht begegnete ihren Aussagen mit Skepsis. Staatsanwalt Christian Petö beantragte eine gesonderte Protokollierung. Das Protokoll, das von der Dolmetscherin übersetzt wurde, musste die Frau unterschreiben. Am Nachmittag soll im Prozess ein Ermittler aussagen.

BVZ.at hatte berichtet: