Erstellt am 22. Mai 2013, 00:00

Irrwege im Spital. Odyssee nach Unfall / Zuerst leitete Portier Schwerverletzten ins Parkhaus, danach auf eine unbesetzte Station. Erst eine Schwester half.

Am Weg der Genesung. Tibor Aradi wird im AKH Wien behandelt, und er kann schon wieder lachen. In einem Zeitungsinterview erzählt er, dass er immer wieder nachsehe, ob seine Finger noch warm seien. Noch dazu hat er, wie er sagt, Glück. Denn der 37-Jährige ist Linkshänder. Ermittler des Arbeitsinspektorats stellten Mängel an der Anlage fest, die Aradi seinen Arm abriss. Quelle: ORF  |  NOEN, ORF
Von Doris Fischer

EISENSTADT/WIEN / Immer mehr Details zu dem unglaublichen Unfall, bei dem dem 37-jährigen Tibor Aradi ein Arm abgetrennt wurde, kommen zutage. So hat es ihm nicht nur den Arm abgerissen – er ist auch selbst in das 20 Kilometer entfernt gelegene Krankenhaus nach Eisenstadt gefahren –, sondern er musste sich auch noch selbst die Unfallstation im Spital suchen.

Im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder angekommen, landete der Schwerverletzte beim alten Eingang. „Hand kaputt“, hatte er in die Gegensprechanlage bei der geschlossenen Schrankenanlage gesagt. Der Portier lotste ihn zum neuen Eingang. Dort löste sich der Verletzte im Parkhaus ein Ticket, schnappte seinen Arm und ging ins Krankenhaus.

Krankenhaus will keine Stellungnahme abgeben 

Dort, so schildert Tibor Aradi in einem Interview mit der Kronen-Zeitung, habe man ihn auf eine Station geschickt, wo keiner war. „Den Liftknopf hab ich mit dem linken Ellbogen gedrückt, denn in der Hand hatte ich ja meinen Arm“, erzählte Aradi und schilderte weiter seine Odyssee: „Ich bin herumgeirrt, erst nach einer Weile fand ich eine Krankenschwester.“ Als sie die abtrennte Hand sah, alarmierte sie die Ärzte, und dann ging alles sehr schnell. Der Rest ist bekannt.

Mit den Vorwürfen konfrontiert, wollte man seitens des Krankenhauses keine Stellungnahme abgeben – es wurde weder dementiert noch bestätigt. „Wir unterliegen der Verschwiegenheitspflicht. Als Krankenhaus sind wir bestrebt, jeden bestmöglich zu versorgen“, meint Krankenhaussprecherin Andrea Makkos. Auch Gesundheitslandesrat Peter Rezar wollte sich zu dieser Causa nicht äußern. Ebenfalls zu dem Vorfall nichts sagen wollte Patientenanwalt Josef Weiss: Der Verletzte müsse selbst aktiv werden.