Erstellt am 07. Mai 2012, 08:54

Juwelierraub-Prozess gestartet. Sechseinhalb Jahre nach dem Überfall auf ein Juweliergeschäft in Eisenstadt steht ab heute, Montag, einer der mutmaßlichen Täter vor Gericht.

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Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen hat heute, Montag, Vormittag in Eisenstadt der Prozess um den Überfall auf den Juwelier Hohensteiner begonnen. Drei Täter hatten bei dem Coup am 28. November 2005 Markenuhren im Wert von 440.000 Euro erbeutet. Ein junger Uhrmacher wurde dabei in den Kopf geschossen und lebensgefährlich verletzt. Einer der mutmaßlichen Räuber, ein 27-jähriger Serbe, muss sich deshalb vor einem Schöffensenat verantworten.

Die Anklage wirft ihm schweren Raub, Körperverletzung mit schweren Dauerfolgen und schweren gewerbsmäßigen Diebstahl durch Einbruch im Rahmen einer kriminellen Vereinigung vor. Der 27-Jährige gehört laut Staatsanwalt Christian Petö einer international agierenden Bande an, die sich vorwiegend auf Einbrüche und später auf Blitzüberfälle auf Juweliere spezialisierte.

Dem Raub in Eisenstadt sei bereits eine Serie von Einbrüchen und Überfällen in Deutschland vorausgegangen, schilderte Petö. Der Angeklagte wurde deshalb bereits 2008 im Nachbarland zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt.

Am 28. November 2005 betraten drei maskierte Räuber das Juweliergeschäft in der Landeshauptstadt. Mindestens einer von ihnen war bewaffnet. Im Geschäft ging alles blitzschnell: Während der Angeklagte eine Mitarbeiterin mit der Waffe bedroht habe, gingen die beiden anderen zielstrebig in jene Räume, wo sich die wertvollen Uhren in Vitrinen befanden, schlugen die Glaskästen ein und stahlen die Preziosen.

Der 22-jährige Uhrmacher, der sich in einem hinteren Raum befand, löste Alarm aus und lief den flüchtenden Tätern nach. Als er einen der Männer ergreifen wollte, sei ihm "eiskalt" ins Gesicht geschossen worden. Das Opfer sei lebensgefährlich verletzt zusammengesackt. Der Uhrmacher leide noch heute an den Dauerfolgen - er ist auf Pflege angewiesen, sagte der Staatsanwalt.

"Es gibt Indizien, dass auch der Angeklagte selbst der Schütze sein kann", erklärte Petö. Jedoch beruhten diese auf einer "sehr vagen" Zeugenaussage. Die Staatsanwaltschaft sei daher im Augenblick "nicht davon ausgegangen, dass er der Schütze gewesen ist", so der Ankläger. Doch könne sich dies im Beweisverfahren noch ergeben.

Der Raub sei genau geplant gewesen: "Die Leute haben sofort gewusst, wo sie hingehen müssen im Geschäft", so der Ankläger. Blitzüberfälle dieser Art dauerten üblicherweise nicht länger als eine Minute, oft sogar nur eine halbe Minute.

"Die Ermittler haben großartige Arbeit geleistet", würdigte Petö die Arbeit der Kriminalisten in dem Fall. Sie hätten die Flucht der Täter fast lückenlos dokumentiert. DNA-Spuren in Form von Blut, das von Verletzungen beim Einschlagen der Vitrinen herrührte, seien zwei Tätern eindeutig zuzuordnen. Berücksichtige man die Ergebnisse, werde der 27-Jährige im Sinne der Anklageschrift zu verurteilen sei, so Petö.

Die Sicherheitsvorkehrungen der Exekutive im Vorfeld der Verhandlung waren massiv: Bereits etwa eine Stunde vor Beginn des Prozesses wurde das Landesgericht von der Polizei unter die Lupe genommen. Diensthunde durchstöberten Gebüsche rund um das Gebäude. Der Angeklagte wurde von neun Justizwachbeamten vorgeführt, die kugelsichere Westen trugen. Auch außerhalb des Gerichtssaals zeigte die Polizei Präsenz.