Erstellt am 07. Mai 2012, 18:06

Juwelierraub: Serbe bestritt Täterschaft. Im Landesgericht Eisenstadt hat am Montag unter strengen Sicherheitsvorkehrungen der Prozess gegen einen der mutmaßlichen Täter begonnen, die im November 2008 den Überfall auf den Juwelier Hohensteiner in Eisenstadt verübt hatten.

Ein Räubertrio hatte damals Uhren im Wert von 440.000 Euro erbeutet. Ein junger Uhrmacher, der die Täter verfolgte, wurde durch einen Schuss in den Mund zum Pflegefall. Zum Prozessauftakt bekannte sich der Angeklagte, ein 27-jähriger Serbe, lediglich zum Vorwurf mehrerer Autodiebstähle schuldig. Die Anklage lautete außerdem auf schweren Raub und Körperverletzung mit schweren Dauerfolgen.

Er sei zwar mit den Räubern in Kontakt gestanden und am Tag der Tat in Eisenstadt gewesen. Mit dem Überfall habe er jedoch nichts zu tun, lautete die Verteidigungslinie des 27-Jährigen. Der Angeklagte sei Teil einer international agierenden Bande, die sich auf Blitzüberfälle auf Juweliere spezialisiert habe, so Staatsanwalt Christian Petö. Dem Raub in Eisenstadt seien mehrere Einbrüche und Überfälle in Deutschland vorausgegangen.

Der Überfall am 25. November 2008 sei "blitzschnell" erfolgt: Der Angeklagte habe eine Mitarbeiterin mit einer Waffe bedroht. Seine Komplizen schlugen währenddessen Vitrinen ein und stahlen wertvolle Uhren. Als der 22-jährige Uhrmacher, der in einem der hinteren Räume gearbeitet hatte, Alarm auslöste und die Täter zum Fluchtwagen verfolgte, schoss ihn einer der Männer "eiskalt" ins Gesicht, so der Ankläger. "Es gibt Indizien, dass auch der Angeklagte selbst der Schütze sein kann", sagte Petö.

Sein Mandant sei beim Raub "nicht unmittelbar dabei gewesen", stellte sein Anwalt Rudolf Mayer fest. "Meine Aufgabe war es, Fluchtfahrzeuge zur Verfügung zu stellen", schilderte der Angeklagte dem Schöffensenat (Vorsitz: Wolfgang Rauter). Dass eine "wirkliche Waffe" bei dem Coup benutzt werde, "war nicht ausgemacht", sagte Mayer.

Der Staatsanwalt konfrontierte den Serben mit Bildern einer Bankomatkamera - aufgenommen am Tattag in Eisenstadt etwa zwei Stunden vor dem Überfall. "Ja, das bin ich", bestätigte der 27-Jährige und erklärte, dass er sich an diesem Tag mit zwei der späteren Täter in einem Cafe getroffen habe. Eine Stunde, bevor der Raub verübt wurde, will er bereits mit dem Zug nach Wien gefahren sein. Dass er auf einem Foto eine Jacke getragen habe, die nach der Tat in einem Werkskanal in Wampersdorf (Niederösterreich) entsorgt worden war, bestritt der 27-Jährige.

Zwei Kriminalbeamte schilderten die Ermittlungen: Bereits am 17. September 2005 sei mit einem Handy, das auch der Angeklagte verwendete, in Eisenstadt telefoniert worden. Die letzte Registrierung stammte vom Tattag: "Es war eine Chronologie, die schlüssig war", meinte ein Ermittler.

In einem Fluchtfahrzeug seien winzige winzige Blutspuren gesichert worden, sagte einer der Beamten. Dies lasse den Schluss zu, dass die zwei Mittäter des 27-jährigen sich verletzt hätten, als sie die Vitrinen einschlugen. Auch die sichergestellten Fluchtfahrzeuge belasteten den Angeklagten: Dabei vorgefundene Eisenkrallen, die Verfolger stoppen sollten, seien "form- und materialident", so der Kriminalbeamte.

Am Montagnachmittag wurden mehrere Zeugen befragt. In den Aussagen ergaben sich zum Teil Widersprüche, was die Farbe des Autos, die Kleidung der Täter und ihre Körpergröße betraf. "Es sind schon viele Jahre vorbei", brachte es ein Augenzeuge auf den Punkt. Ein Künstler gab zu Protokoll, einer der Täter sei nochmals aus dem Wagen gestiegen, um auf den jungen Uhrmacher zu schießen, nachdem er diesen zuvor zu Boden gestoßen hatte. Außerdem berichtete der Mann entgegen anderen Wahrnehmungen von vier Tätern.

Ein anderer Zeuge erzählte, der 22-Jährige habe einen der Räuber gepackt und ihn zurückgezogen: "In dem Moment ist der Schuss losgegangen." Ein Vertreter der Versicherung schilderte, sein Unternehmen habe an den Juwelier 260.000 Euro gezahlt - als Ersatz für den Einkaufspreis der geraubten Uhren. Der Prozess wurde am Nachmittag unterbrochen und soll morgen, Dienstag, um 9.00 Uhr fortgesetzt werden.