Erstellt am 04. Februar 2015, 07:04

von Werner Müllner

Das gibt es nur in der Großstadt. Werner Müllner über das traurige Ableben eines Kleinhöfleiners.

Er hat an Autos geschraubt, vornehmlich am grauen Mercedes, der auch sein Schicksal wurde, ab und zu sogar auf der Gasse. In Wulkaprodersdorf hat er auch gewohnt, Katzen hat er „gezüchtet“, und er war halt ein bissl ein Eigenbrötler. Das, aber nur wenig mehr, weiß man über jenen Mann zu erzählen, dessen Leiche am vergangenen Wochenende in Kleinhöflein gefunden wurde.



Im September des Vorjahres hat man ihn zuletzt gesehen. Seitdem ist er niemandem wirklich abgegangen. „Er wird halt weggezogen sein“, dachten sich einige und vermisst hat ihn auch niemand.

In Wirklichkeit lag er mitten im Dorf, begraben unter seinem Mercedes. Es ist also auch hier etwas möglich, von dem man dachte, dass es so etwas nur in anonymen Großstädten gibt: Menschen versterben hinter ihrer Tür und niemand fragt nach ihnen. Die Anonymität hat auch bei uns Einzug gehalten. Wäre der Mann auf Facebook gewesen, wäre es vielleicht früher aufgefallen, dass er nicht online ist.

Traurig, dass uns ein „Gefällt mir“ eher abgeht, als ein Mensch hinterm Gartenzaun.