Erstellt am 15. Dezember 2010, 00:00

K(r)ampf der Taxler. ANONYMES SCHREIBEN /  Taxi-Chef soll seine Mitarbeiter ausbeuten. Er wehrt sich, sein Verdacht: „Es war ein Mitbewerber.“

Aufregung. Eisenstadts Taxibranche kommt nicht zur Ruhe. Schwere Vorwürfe gegen ein Taxiunternehmen erhebt ein Unbekannter in einem offenen Brief. Die Mitarbeiter würden ausgebeutet.WODICKA  |  NOEN
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VON BETTINA EDER

EISENSTADT / Die Taxibranche in der Landeshauptstadt kommt nicht zur Ruhe. Trotz Taxi-Kollektivvertrag kein Urlaubs- oder Weihnachtsgeld, von den Lenkern selbst bezahlte Autoreinigungen und vieles mehr – wüste Zustände, „wie im Mittelalter“, sollen laut einem anonymen Brief an die Wirtschafts- und Arbeiterkammer sowie an die Medien in einem Eisenstädter Taxiunternehmen herrschen.

Das meiste davon, wie etwa das angeblich nicht ausbezahlte Weihnachts- und Urlaubsgeld, sei „erstunken und erlogen“, nahm der betroffene Firmenchef von sich aus Stellung zu den Vorwürfen. Er gibt aber zu: „Es gibt Punkte, die stimmen, die aber keineswegs illegal sind.“ Ein Beispiel dafür wäre laut Schreiben der „freiwillig erzwungene Unkostenbeitrag“ der Taxilenker. „Das Geld kommt in einen Topf und leichte Schäden werden daraus bezahlt“, so der Unternehmer.

Arbeiterkammer: „Pauschal  ist das nicht zulässig“

Ganz so einfach ist dies, laut Arbeiterkammer (AK), allerdings nicht, wie die Leiterin der Arbeitsrechtsabteilung, Doris Graser-Kern, erläutert: „Pauschal ist das sicher nicht zulässig. Es kommt darauf an, wie ein Schaden entsteht. Etwa bei einem Steinschlag gibt es kein Verschulden des Fahrers und damit auch keine Haftung. Das ist Unternehmensrisiko.“

Dem angeschwärzten Taxi-Chef reicht es indes. Er hat sich bereits mit seinem Anwalt besprochen und wird Anzeige gegen unbekannt erstatten. Allerdings hat er aufgrund eines „verräterischen Poststempels“ einen konkreten Verdacht: „Das ist einer meiner Mitbewerber.“ Von diesem wäre er selbst schon auf einer Sitzung in der Wirtschaftskammer sowie einer seiner Mitarbeiter auf offener Straße beschimpft worden.

„Wir haben regelmäßig Stammtische. Wenn es etwas zu sagen gibt, dann wird das offen gesagt – ohne Diplomatie. Aber ich kenne meine Unternehmer. Das war keiner von ihnen“, widerspricht Bernhard Dillhof, Geschäftsführer der Fachgruppe Taxi in der Wirtschaftskammer. Er gibt allerdings zu: „In Eisenstadt kommt man sich beim City-Taxi öfter in die Quere. Aber im Allgemeinen ist die Stimmung gut.“

Wie hart das Pflaster in Eisenstadt ist, zeigten auch die City-Taxi-Betrügereien. Drei Verdächtige wurden angezeigt, mittlerweile wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft gegen zwei davon einen Strafantrag bei Gericht eingebracht haben.