Erstellt am 14. Januar 2014, 18:04

von Elisabeth Kirchmeir

Maskierter stahl 100.000 Euro aus Bank: Vier Jahre Haft. Ein Bank"raub" in Oggau (Bezirk Eisenstadt-Umgebung), der juristisch gesehen keiner war, hat Dienstag einen Schöffensenat im Landesgericht Eisenstadt beschäftigt.

Vor Gericht. Das Urteil gegen den Bankräuber von Oggau vom Mai 2013: Vier Jahre Haft. Foto: Elisabeth Kirchmeir  |  NOEN, Elisabeth Kirchmeir
Von Elisabeth Kirchmeir

Da der Mann nicht bewaffnet gewesen war und keine Gewalt angewendet hatte, klagte die Staatsanwaltschaft den Vater von vier minderjährigen Kindern nicht wegen Raubes sondern wegen schweren Diebstahls an.

x  |  NOEN, Elisabeth Kirchmeir
Außerdem wurde dem Angeklagten das Delikt der Geldwäsche vorgeworfen: Er soll versucht haben, den Großteil der Beute in Wettlokalen „weißzuwaschen“.

Mit Skimaske und Zeitung: „Gib mia das Gö‘d!“

Der Familienvater hatte am 22. Mai drei Stunden lang vor der Bankfiliale auf einen günstigen Augenblick gewartet, bevor er sich eine Skimaske übers bärtige Gesicht zog und mit einer zusammengerollten Zeitung unter dem Arm den Kassenraum betrat. Zuerst fragte er die allein anwesende Bankbeamtin nach ihrem (bereits pensionierten) Kollegen, dann forderte er: „Gib mia das Gö‘d!“
 
„Wie er neben mir stand, hatte ich extreme Angst“, sagte die Bankmitarbeiterin als Zeugin vor Gericht aus. „Mir war bewusst, dass er da nicht hätte stehen dürfen.“
 
Der Täter war nämlich zielstrebig hinter das Kassenpult gegangen. Als die Kassierin die Geldlade öffnete, bediente er sich selbst.

Alimente beglichen und Prostituierte bezahlt

Danach flüchtete der Mann in Richtung Oslip, wo er sich von seinem Bruder mit dem Auto abholen ließ. In St. Margarethen wurden die Brüder von einer mittlerweile alarmierten Polizeistreife kontrolliert, die jedoch nichts Verdächtiges im Auto fand.

Die Tasche mit dem schwarzen Müllsack, in dem sich die Beute befand, hatte der 29-Jährige beim Beifahrersitz einfach zu seinen Füßen gestellt.
 
In den Tagen nach dem Banküberfall mietete der Täter eine Wohnung an – er habe seine bei Pflegeeltern untergebrachten Kinder wieder zu sich holen wollen –, beglich offene Alimente-Zahlungen, nahm die Dienste einer Prostituierten, in die er sich verliebt hatte, in Anspruch und verspielte vor allem ziemlich planlos einen Großteil der Beute – angeblich fast 70.000 Euro. Rund 32.000 Euro fand die Polizei im Geldversteck im Keller der Mutter des Angeklagten.

Täter hatte Finanz- und Familienprobleme

„Ich hatte Panik bekommen, wollte das Geld verschwinden lassen“, behauptete der Angeklagte vor Gericht. Motiv für seine Tat sei seine Mittellosigkeit gewesen – er sei seit Februar obdachlos gewesen, habe Schulden in der Höhe von 15.000 Euro gehabt und wollte einen Anwalt für Familienrecht engagieren, um seine Kinder von den Pflegeeltern zurückzugewinnen. Seine Ex-Frau sei wegen ihrer Drogenabhängigkeit nicht in der Lage gewesen, für die Kinder zu sorgen.

Überfall vor zwölf Jahren wirkte sich erschwerend aus

Erschwerend wertete das Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richterin Dr. Karin Lückl die Tatsache, dass der Angeklagte bereits 2002 einen bewaffneten Raubüberfall begangen hatte.

Damals hatte er die Waffe seines Bruders gestohlen, eine Schreckschusspistole, und hatte zuerst versucht, eine Schnitzelhaus-Filiale in Wr. Neustadt zu überfallen. Als dies misslang, begab er sich zu einer Schlecker-Filiale, wo er rund 3000 Euro erbeutete. Auch damals sei das Motiv Geldnot gewesen.

Verteidiger: „Robin Hoods gibt es heute nur mehr selten“

 „Diebstähle werden selten aus ehrenwerten Motiven begangen. Robin Hoods gibt es heute nur mehr selten“, sagte Strafverteidiger Dr. Rudolf Mayer. Er empfahl seinem Mandanten, das Urteil anzunehmen.

Zusätzlich zu den vier Jahren muss der 29-Jährige noch zwei Monate Haft aus einer früheren, bedingt ausgesprochenen Verurteilung absitzen.
 
Auch Staatsanwalt Mag. Christian Petö verzichtete auf Rechtsmittel – das Urteil ist rechtskräftig.