Erstellt am 17. März 2016, 04:44

von Nina Sorger

Michaela Sieger: „Schlange riss nie ab“. Michaela Sieger war für die Caritas an der mazedonischen Grenze und betreute Flüchtlinge, die im Regen warten mussten.

Vor Ort. Michaela Sieger verteilte für die Caritas Lebensmittel an Flüchtlinge. Foto: Caritas  |  NOEN, Caritas
Die Kleinhöfleinerin Michaela Sieger hat aufreibende Tage hinter sich. Sie war für die Caritas Auslandshilfe in Idomeni an der griechisch-mazedonischen Grenze, um Hilfsgüter, vor allem Nahrungsmittel, an Flüchtlinge zu verteilen.

Die 35-Jährige, die bereits im Südsudan im Einsatz war, zieht eine beklemmende Bilanz: „Die humanitäre Situation ist extrem dramatisch. Mittlerweile sind dort rund 14.000 Menschen, die nicht wissen, ob sie weiterkommen. Männer, Frauen mit kleinen Kindern, alte Menschen im Rollstuhl  kommen zu jeder Tages- und Nachtzeit und müssen im Regen und Schlamm draußen sitzen, weil es nicht genug Zelte gibt.“

Sie schildert ihre Arbeitsbedingungen: „Wenn wir Lebensmittel verteilten, riss die Schlange nie ab. Wenn sie uns fragten, wann sie weiterdürfen, konnten wir ihnen nicht helfen, weil es keine Informationen gab.“

Sieger, die sonst in der Pressestelle der Caritas arbeitet und sich freiwillig für die Auslandshilfe meldete, fand erst wieder zu Hause die Zeit, diese Erlebnisse Revue passieren zu lassen: „Daheim, unter der warmen Dusche, im warmen Bett, bin ich sehr dankbar, dass es uns so gut geht, und besinne mich auf das, was wesentlich ist. Aber ich finde es traurig, auf unserem reichen Kontinent solche Not sehen zu müssen.“

Wann sie zum nächsten Einsatz ausrücken muss, weiß Sieger noch nicht: „Wenn ich wieder wohin geschickt werde, werde ich nicht zögern. Das ist selbstverständlich“, so Michaela Sieger.