Erstellt am 08. April 2015, 06:10

von Bettina Eder

Neustart für Pannonische Tafel. Pannonische Tafel muss nach Problemen mit Lebensmittelinspektorat und Gewerbeabteilung am jetzigen Standort schließen.

Nahrung für die Armen. Albi Chmelar (r.) und Andrea Roschek (2.v.r.) verteilen mit ihren Helfern dringend gebrauchte Lebensmittel an Bedürftige.  |  NOEN, Werner Müllner
„Es kratzt niemanden, wenn Leute auf der Straße stehen und frieren, aber wenn sie zu einem Verein gehen, wo sie eine warme Suppe bekommen, dann macht man sich auf einmal Sorgen, dass sie sich den Magen verderben könnten. Was ist das für eine unglaubliche Doppelmoral?!“, ärgert sich Andrea Roschek, Chefin der Pannonischen Tafel. Sie muss ihr „Wohnzimmer“, die Armenspeisung der Tafel, schließen. Auslöser dafür war eine anonyme Anzeige im Dezember.

Der Vorwurf der Behörden ist, dass die Küche zum einen nicht den Anforderungen des Lebensmittelinspektorates entsprochen hat. „Das ist eine normale Küche, wie sie alle unsere Eltern und Großeltern benutzt haben“, rechtfertigt sich Roschek.



Zum anderen wurde die Tafel auch wegen unbefugter Gewerbeausübung gerügt. Zum Verhängnis wurde der Tafel dabei eine Spendenbox für Leute, die nicht bedürftig sind, aber sich gegen eine kleine Spende ein Essen holen wollten.

„Diese Umzieherei ist Stress für alle“

„Das Magistrat warf mir vor, Gewinn machen zu wollen. Tagelang ist nichts in der Box drinnen, dann wirft einer mal fünf oder zehn Euro rein, und schon ist das illegal“, so Roschek. Damit ist jetzt Schluss. Nicht nur die Spendenbox ist weg, sondern die Küche seit Kurzem geschlossen.

Der Tafel stehen nun zwei verschiedene Optionen offen: Entweder die Armenspeisung gar nicht mehr anzubieten ,oder sich erneut – und damit das insgesamt sechste Mal seit ihrer Gründung 2008 – auf Herbergssuche zu begeben.

„Diese Umzieherei ist Stress für alle“, so Roschek. Bisher zog man allerdings meist aus Platznot um, denn die Lager der Tafel sind voll und die Anzahl der Kunden steigt. Allein im „Wohnzimmer“ wurden täglich 20 bis 30 Personen verköstigt.

Umzug in „Holland Blumen Mark“?

Ein potenzielles Quartier ist bereits ins Auge gefasst worden: der ehemalige „Holland Blumen Mark“ in der Rusterstraße. Dort bezog man schon vor einigen Jahren das kleine Büro, das kurz darauf aus allen Nähten platzte und wieder aufgegeben werden musste.

Nun hofft man auf ein Happy End in dem großen Geschäftslokal. „Von der Fläche her ist es etwa gleich, die Aufteilung ist besser und wir haben die Chance, eine neue Küche einzurichten. Dabei wollen wir von Anfang an das Lebensmittelinspektorat einbinden“, so Roschek.