Erstellt am 10. November 2011, 18:06

Polizist soll Sechsjährigen missbraucht haben. Ein Polizist musste sich am Donnerstag in Eisenstadt wegen sexuellen Missbrauchs eines Sechsjährigen vor Gericht verantworten. Der Beamte war ersucht worden, die Familie des Kindes beim Schutz ihres Eigentums zu beraten.

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Als er dabei im März 2009 ein Gespräch mit dem Sechsjährigen führte, soll er laut Anklage den Buben, der bei ihm am Schoß saß, im Intimbereich unsittlich berührt haben. Der Beamte bekannte sich nicht schuldig. Der Prozess wurde vertagt. Zum Besuch des Angeklagten bei der Familie kam es, nachdem sich in der Umgebung der Familie Einbrüche gehäuft hatten. Eine mit der Mutter des Buben gut bekannte Polizistin hatte den Tipp gegeben, den Beamten zurate zu ziehen. Dabei sollte der Polizist auch mit dem Sohn sprechen, um diesem die Angst vor Einbrechern zu nehmen. Das Kind habe sich nämlich in der Nacht gefürchtet, wenn sein Vater beruflich unterwegs gewesen sei. Der Beamte besichtigte das Haus und sprach auch mit dem Buben. Dabei soll er mit dem damals Sechsjährigen im Wohnzimmer gesessen sein, während sich die Eltern und die Polizisten einige Meter weiter in der Küche aufhielten. Der Polizist soll laut Anklage dabei eine geschlechtliche Handlung an einem Unmündigen vollzogen haben, indem er den Bub durch die Hose im Intimbereich berührte. Als der Sechsjährige bald darauf seiner Mutter eine Andeutung über den mutmaßlichen Vorfall machte, konnte diese es kaum glauben. Monate später habe sich der Bub schließlich der Polizistin anvertraut. Der Bub habe ihr von der Idee erzählt, eine Kamera aufzustellen und den Beamten zu filmen, wenn er ihn noch einmal begrapsche. Dann solle sie das Band dem Chef geben "und der soll ihn bestrafen". Als sie das hörte, sei sie "baff" gewesen, schilderte die Polizistin. Der Anwalt des Buben machte 3.000 Euro Schmerzensgeld sowie 207,96 Euro für Behandlungen des Kindes geltend. Der Sechsjährige habe nach dem Vorfall Konzentrationsschwächen gezeigt und schließlich die dritte Volksschulklasse wiederholen müssen. "In diesem Alter ist es nicht möglich, dauerhaft irgendwelche Spinnereien und Fantasien aufrecht zu erhalten", meinte der Jurist. Ein Gutachter habe dem Bub auch Aussagekonsistenz und -fähigkeit konstatiert. "Der Angeklagte hat die ihm zur Last gelegten Taten nicht begangen", erklärte der Verteidiger des Polizisten. Auffallend sei, dass der Fall von einer Kollegin des Beamten ans Licht gebracht worden sei. Der Bub habe bei der kontradiktorischen Einvernahme auch Redewendungen gebraucht, "die ein Minderjähriger so nicht sagt". Es bestünden berechtigte Zweifel, die zu einem Freispruch führen müssten, argumentierte der Verteidiger. Der Angeklagte bekannte sich nicht schuldig: "Ich komme nicht drauf, wie das Ganze überhaupt zustande kommt", sagte der Polizist. Der Vorsitzende des Schöffensenats, Wolfgang Rauter, vertagte den Prozess zur Einvernahme weiterer Zeugen.