Erstellt am 07. Februar 2012, 11:00

Prozess: Polizist rotes Tuch für Betreiber. Im Landesgericht Eisenstadt ist heute, Dienstag, der Prozess gegen einen Polizisten fortgesetzt worden, dem die Anklage Amtsmissbrauch und geschlechtliche Nötigung im Zuge von "privaten" Rotlicht-Kontrollen vorwirft.

Zu Beginn beschrieb ein Vorgesetzter den 49-jährigen Ermittler als korrekten Beamten, der durch seine entschiedene Art und sein bisweilen schroffes Einschreiten besonders für einen Lokalbesitzer ein "rotes Tuch" gewesen sei.

Er sei bei den nächtlichen Kontrollen öfters dabei gewesen, bis das Ministerium den Sparstift angesetzt habe. Danach seien die Rotlicht-Streifen nur noch zu zweit erfolgt. "Der Kollege hat den Dienst immer vollkommen korrekt und gesetzeskonform durchgeführt", schilderte der Vorgesetzte vor dem Schöffensenat (Vorsitz: Wolfgang Rauter).

Der Beschuldigte habe bei den Einsätzen "eine sehr schroffe, forsche Art und ein bestimmendes Verhalten" gezeigt, erzählte der Polizeioffizier. Würde man das Filmklischee vom Good Cop und Bad Cop heranziehen, dann wäre der 49-Jährige "sicher der Bad Cop": "Durch seine Art, wie er eingeschritten ist, war er sicher nicht beliebt."

"Gegenüber den Kellnern und Lokalbesitzern war er mit dieser schroffen Art schon der unangenehmere Beamte für diese Personen. Er hat auch immer Klartext gesprochen und gesagt, was wir uns als Polizei erwarten", erläuterte der Beamte. Der 49-Jährige habe auch darauf hingewiesen, dass man, falls etwas nicht passe, die Kontrollen verschärfen könne. "Als Vorgesetzter war mir das recht, dass ein Beamter, der relativ energisch in seinem Einschreiten vorgeht, dort die Kontrollen durchführt."

Besonders der Betreiber eines Lokals sei auf den Ermittler nicht gut zu sprechen gewesen und habe dem Beamten vorgeworfen: "'Jetzt kummst scho wieder und kontrollierst mir meine Madl'n.' Er hat immer geschimpft über uns und über die Kontrollen und hat sich immer benachteiligt gefühlt."

Bei den Kontrollen hätten die Beamten einiges erlebt: "Wir wurden ständig angepöbelt. Die Leute mischen sich in die Kontrolle ein. Die stellen sich neben uns hin, weil sie glauben, sie müssen die Damen beschützen. "Wir hören ständig Ausdrücke wie Scheiß-Kieberer oder Ähnliches", schilderte der Offizier die Situation bei Amtshandlungen im Rotlicht-Milieu. Besonders wichtig sei bei solchen Einsätzen daher die Eigensicherung gewesen, weshalb er niemals einen Beamten alleine eine Kontrolle vornehmen hätte lassen.

Dass der Beschuldigte auch privat und abseits der Öffnungszeiten die im Dienst überprüften Nachtclubs besuche, könne er sich nicht vorstellen, meinte der Zeuge: "Mir ist davon nichts bekannt." Am Vormittag werden noch weitere Zeugen befragt. Ein Urteil wird, falls keine zusätzlichen Beweisanträge gestellt werden, für den Nachmittag erwartet.