Erstellt am 10. September 2013, 19:42

Prozess um aufgeflogene Kokain-Verkäufer vertagt. Weil sie im Mai dieses Jahres ausgerechnet verdeckten Ermittlern im Burgenland zweieinhalb Kilogramm Kokain verkauft haben sollen, sind am Dienstagnachmittag in Eisenstadt zwei mutmaßliche Drogenhändler vor Gericht gestanden.

NOEN, Erwin Wodicka
Der Staatsanwalt warf einem der Männer vor, den Fahndern auch noch die Lieferung weiterer zweieinhalb Kilo zu einem späteren Zeitpunkt angeboten zu haben. Doch vorher klickten die Handschellen.

Schuldbekenntnis – aber nur als Mittelsmänner

Die Angeklagten aus der Slowakei bekannten sich teilweise schuldig, beteuerten jedoch beide, nur als Mittelsmänner agiert zu haben. Der Prozess wurde nach ihrer Befragung vertagt.

Vor Gericht erzählten sowohl der 37-jährige Hauptangeklagte als auch sein 42-jähriger mutmaßlicher Komplize, dass sie wegen finanzieller Schwierigkeiten auf das Geschäft eingegangen seien.

Ein Freund aus Österreich habe ihn oft angerufen und Druck gemacht, dass er sich mit den beiden Personen - die sich später als Fahnder entpuppten - treffen sollte. Dieser Bekannte habe ihm angeboten, ihm dafür bei einem Geschäft in Italien zu helfen, sagte der Erstangeklagte.

Drogen-Verkauf als Gegenleistung für Schulden bei "Sergej"

Beim Skifahren in der Tatra habe er dann im vergangenen Winter einen gewissen "Sergej" kennengelernt, der ihm angesichts seiner finanziellen Schwierigkeiten mit 10.000 Euro aushalf. Doch schon einen Monat später wollte "Sergej" das Geld zurück.

Schließlich sollte der 37-Jährige als Gegenleistung einen Kontakt zu dem österreichischen Bekannten herstellen. Der Österreicher habe schon länger signalisiert, an Drogen interessiert zu sein.

Er habe den beiden als "Kunden" getarnten Ermittlern auch einmal eine Probe des Suchtgifts zu einem Treffen gebracht, erzählte der 37-Jährige. Eine Liefermenge oder einen Preis habe er jedoch nie vereinbart. Ihm schien, als hätten das die beiden bereits gewusst, so der Erstangeklagte.

Festnahme nach der Übergabe in Neusiedl

Als er sich am 8. Mai mit den Ermittlern in Neusiedl am See traf, um das Kokain gegen 125.000 Euro Bargeld zu tauschen, habe er gedacht, "Sergej" werde ebenfalls kommen. Doch der tauchte nicht auf. Nach der Übergabe wurde der 37-Jährige festgenommen.

Auch der 42-jährige Mitangeklagte wurde geschnappt. Er erzählte dem Schöffensenat (Vorsitz: Karin Knöchl), dass er in Hainburg drei Pakete in zwei Stofftaschen übernommen und anfangs nicht gewusst hätte, dass es sich um Drogen handle. Erst später seien ihm Gedanken gekommen, "dass es vielleicht etwas wie Haschisch sein könnte."

Keine Infos: "Habe Angst um meine Familie"

Seinen Auftraggeber - auch er war mit "Sergej" in Kontakt gestanden - wollte er zunächst nicht preisgeben. "Ich habe Angst um meine Familie", sagte der Zweitangeklagte. Für den Transport habe er 1.500 Euro bekommen.

Was er sich dabei gedacht habe? "Ich bin zu spät draufgekommen, dass das vielleicht etwas Illegales sein kann", meinte der 42-Jährige.

Die übergebenen zweieinhalb Kilo Suchtgift hatten einen Reinheitsgrad von 966 Gramm. "Da ging's ums Eingemachte", meinte Staatsanwalt Christian Petö, der in Zweifel zog, ob es den mysteriösen "Sergej" als Organisator überhaupt gegeben habe.

Kritik an Vorgangsweise der Ermittler

Der Verteidiger des 42-Jährigen kritisierte die Vorgangsweise der beiden verdeckten Ermittler, die wie ein "Agent provocateur" agiert und seinem Mandanten Druck gemacht hätten.

Die Verteidigung präsentierte dem Gericht auch auf Basis eigener Recherchen das Bild eines litauischen Ausweises, um die Existenz von "Sergej" zu dokumentieren.

Prozess auf Oktober vertagt

Richterin Knöchl vertagte den Prozess auf 17. Oktober. Dann sollen die beiden verdeckten Ermittler befragt werden. Damit ihre Identität nicht bekannt wird, wird die Befragung per Videokonferenz erfolgen.

Außerdem wird die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Sie nehme an, dass es am 17. Oktober ein Urteil gibt, meinte die Richterin.