Erstellt am 06. Juni 2016, 13:09

von Elisabeth Kirchmeir

Prozess um die BEGAS-Affäre hat begonnen. Das vorerst für 24 Tage angesetzte Verfahren findet ohne den Hauptangeklagten, Ex-BEGAS-Vorstand Rudolf Simandl, statt.

 |  NOEN, Kirchmeir
Mit 3,9 Millionen Euro soll sich der 2012 fristlos entlassene Begas-Boss Rudolf Simandl privat an dem Energieversorgungsunternehmen bereichert haben.

Das Strafverfahren, das sich rund um die mutmaßlichen Malversationen dreht, findet jedoch ohne den Hauptangeklagten statt: Ein Gutachten bescheinigte ihm Verhandlungsunfähigkeit aufgrund schwerer Depressionen.

Für drei von den sechs Mitangeklagten war der Prozess am Montag bereits wieder zu Ende: Nach Zahlung von Geldbußen in der Höhe von 6500, 4500 bzw. 720 Euro (plus 8000 Euro Schadensgutmachung) wird das Verfahren gegen die drei Männer eingestellt.

Auf der Anklagebank sitzen damit noch drei Angeklagte: Der frühere technische Vorstand der Begas, Reinhard Schweifer, sowie Ex-Geschäftsführer zweier Begas-Tochtergesellschaften. Alle drei bekannten sich nicht schuldig. Inhaltlich geht es um Untreue, Veruntreuung, schweren Betrug und Geschenkannahme.

Simandl habe, sagte Oberstaatsanwältin Baumann, seine Position zu seinem persönlichen Vorteil ausgenutzt. Er habe Scheinrechnungen ausgestellt, unvollständige Urlaubsabrechnungen vorgelegt, großzügig Gas-Gutscheine verteilt und Provisionen über Strohmänner umgeleitet.

„Er war in der Lage, sich ein Vermögen von 14 Millionen Euro in Liechtenstein anzuhäufen“, so die Anklagevertreterin. Und Simandl habe nicht „davor zurückgeschreckt“, dritte Personen für seine Delinquenzen zu gewinnen.

Ex-Vorstand Schweifer wird konkret vorgeworfen, er habe - wie auch Simandl - überhöhte Gehälter und Prämien kassiert und sich mit 118.000 Euro unrechtmäßig bereichert. Der Prozess wird am Mittwoch, fortgesetzt.

 


Begas-Skandal: die Chronologie

 

 

 

 

  • April 2012: Bewag-Vorstandssprecher Michael Gerbavsits werden anonym Unterlagen zugespielt, die erste Hinweise auf Malversationen im Unternehmen geben.

  • Ende April 2012: Rudolf Simandl, seit 1995 kaufmännischer Vorstand der Begas, wird fristlos entlassen.

  • Juni 2012: Reinhard Schweifer, seit 2011 in der Position des Bewags-Vorstands, zuvor jedoch technischer Vorstand der Begas, wird ebenfalls fristlos entlassen.

  • Prüfungen und Prozesse: Im Zuge von aktienrechtlichen Sonderprüfungen, einer Prüfung des Rechnungshofes und mehrerer Zivilprozesse trat eine Vielzahl an Unregelmäßigkeiten zutage.

  • Schadensgutmachung: Bislang wurden sechs Millionen Euro an die Energie Burgenland zurückgezahlt, drei davon von Simandl.