Erstellt am 03. November 2011, 21:20

Prozess um Kokainlieferung per Paket. Eine im Dezember des Vorjahres ins Südburgenland zugestellte Paketsendung hatte am Donnerstag in Eisenstadt ein gerichtliches Nachspiel: In dem Packerl, das einen Tag vor dem Heiligen Abend an seiner Bestimmungsadresse ankam, befanden sich nämlich 474 Gramm Kokain.

Ein 48-jähriger Rumäne musste sich deshalb im Landesgericht vor einem Schöffensenat wegen Suchtgifthandel verantworten. Der Mann, der laut Anklage eine Bekannte gefragt haben soll, ob sie gegen Entgelt zum Empfang einer größeren Kokainlieferung bereit sei, bekannte sich nicht schuldig. Die Verhandlung wurde für weitere Zeugeneinnahmen vertagt.

Der 48-jährige Profiboxer kam laut Anklage 2004 nach Österreich. Im Vorjahr soll er Kontakt zu der Bekannten aus Rumänien aufgenommen und ihr "einige Hundert Euro" angeboten haben, falls sie sich als Empfängerin des Drogenpakets zur Verfügung stelle. Die Lieferung nahm schließlich im vergangenen Dezember den Weg von Costa Rica nach Österreich. Bei Kontrollen in Madrid wurde das Kokain entdeckt, was die Fahnder auf den Plan rief.

Einen Tag vor dem Heiligen Abend kam die illegale Fracht am Bestimmungsort im Südburgenland bei der Mutter der bereits rechtskräftig verurteilten Rumänin an - die Adressatin selbst befand sich zu dem Zeitpunkt nicht in Österreich. Sie war bereits in der ersten Verhandlung befragt worden. Bei der Fortsetzung des Prozesses am Donnerstag gestaltete sich die Einvernahme der Mutter schwierig, da die Frau zunächst abstritt, den 48-Jährigen überhaupt zu kennen. Zudem behauptete sie, vor ihrer Einvernahme von einem "schwarzen Mann" geschlagen worden zu sein. Der Rumäne beteuerte vor Gericht seine Unschuld: "Ich habe mit den Drogen nichts zu tun", erklärte er.

Am Donnerstag nahm die Erörterung der Telefonüberwachungen in dem Fall breiten Raum ein. Dazu wurden auch zwei Ermittler befragt. In den Tagen vor der Lieferung soll es mehrfach Telefonate zwischen dem Angeklagten und seiner mutmaßlichen Geschäftspartnerin gegeben haben. Für den Tag, an dem das Paket im Burgenland eintraf, konnte kein Nachweis erbracht werden. Die Frau hatte jedoch behauptet, mit dem 48-Jährigen telefoniert zu haben.

Der Umstand, dass möglicherweise Handygespräche aus Rumänien an ein Mobiltelefon in Österreich, die in einer Mobilbox landen, nicht aufgezeichnet werden, veranlasste Verteidiger Rudolf Mayer, einen Sachverständigen für Telekommunikation als Zeugen zu beantragen. Auch die mutmaßliche Adressatin des Drogenpakets soll noch einmal gehört werden, entschied Vorsitzende Birgit Falb. Schließlich beantragte der Verteidiger auch die Einvernahme eines weiteren Rumänen als Entlastungszeugen. Der Prozess wurde auf unbestimmte Zeit vertagt.