Erstellt am 25. August 2014, 16:52

Ex-Mithäftlinge misshandelt. Weil er zwei frühere Mithäftlinge misshandelt haben soll, ist am Montag ein 23-jähriger Burgenländer in Eisenstadt vor Gericht gestanden.

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Der Mann soll laut Anklage einen Zellengenossen geschlagen und einen weiteren ehemaligen Mitinsassen bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt haben. Vor Gericht wies der Mann die Vorwürfe zurück und vermutete eine Intrige der Mithäftlinge. Der Prozess wurde vertagt.

Mit der Faust auf den Bauch geschlagen

Zu den Vorfällen soll es im Zeitraum von Mitte Oktober 2013 bis Anfang Jänner dieses Jahres in Eisenstadt gekommen sein. Einstige Mithäftlinge belasteten den 23-Jährigen im Zeugenstand. Ein 35-Jähriger erzählte, dass er zunächst den Eindruck gehabt habe, "dass er eigentlich ein kommoder Kerl ist." Das habe sich jedoch bald geändert. Nachdem er sich von dem 23-Jährigen einmal ein Mobiltelefon ausgeborgt habe, sei dieser aus Angst, dass sie erwischt würden, "komplett paranoid geworden."

Er selbst sei damals nach einem Alkoholrückfall in einem "sehr desolaten Zustand" gewesen und habe viel geschlafen - auch zweimal bei der Essensausgabe, erzählte der 35-Jährige. Sein Mitinsasse habe ihn deshalb aus dem Bett gezerrt und ihn auch mit Wasser, einmal sogar mit Urin angeschüttet.

Ein anderes Mal habe er ihm Leberkäse, den es zu Essen gab, ins Klo geworfen und ihn dann gezwungen, diesen zu essen. Richterin Karin Lückl fragte den Zeugen auch nach einem Vorfall mit WC-Papier: "Das hat er mir zwischen die Füße gesteckt und angezündet", erwiderte der 35-Jährige. Schließlich soll ihn der 23-Jährige auch mit der Faust auf den Bauch geschlagen haben - ein Justizwachebeamter hatte die blauen Flecken zu Gesicht bekommen, nachdem sich ein anderer Mithäftling ihm anvertraut hatte.

„Er hat einmal kurz hinpeckt' am Schädel"

Auch mit einem "Schlagstock", improvisiert aus einem Besenstiel, soll der Beschuldigte zugeschlagen haben. "Er hat einmal kurz hinpeckt' am Schädel", berichtete der Zeuge.

Dass er im Gefängnis ein Handy besessen haben soll, sei "völliger Blödsinn: Wie soll man da ein Handy drinnen haben", wehrte sich der 23-Jährige mit dem Hinweis auf zahlreiche Kontrollen in der Anstalt und wies den Vorwurf der fortgesetzten Gewaltausübung und der Körperverletzung zurück. Der Beschuldigte machte einen anderen Häftling, der mittlerweile entlassen wurde und auch als Zeuge nicht greifbar war, für die behaupteten Gewaltexzesse verantwortlich. Auch, dass er seinen Zellennachbarn nicht schlafen habe lassen und ihn mit Wasser angeschüttet habe, sei "ein kompletter Blödsinn."

Überhaupt sah sich der 23-Jährige als Opfer einer Intrige: Seine damaligen Mithäftlinge hätten ihn aus der Zelle haben wollen, damit sie mit Marihuana Geschäfte machen könnten.

Prozess auf unbestimmte Zeit vertagt

Ein 46-jähriger Ex-Zellengenosse legte bei seinen Schilderungen noch nach: Der Beschuldigte habe den 35-Jährigen schließlich "jeden Tag geschlagen" und ihn "gewürgt, dass ihm sogar auf der Seite das Blut herausgeronnen ist." Auf die Frage der Richterin, warum das der Betroffene selbst nicht erzählt habe, meinte der 46-Jährige, dieser habe wohl aus Angst geschwiegen. Auch er selbst habe sich vor dem 23-Jährigen gefürchtet, der erzählt hätte, dass er beim Jagdkommando (eine Spezialeinheit des Bundesheeres, Anm.) gewesen sei.

Ein 17-Jähriger, der sich vorübergehend ebenfalls mit dem Beschuldigten in der Zelle befunden hatte, erzählte, dass er von ihm Medikamente, die unter die Bestimmungen des Suchtmittelgesetzes fallen, in Form von Tabletten und einmal als Spritze bekommen habe. Daraufhin dehnte die Anklagevertreterin den Strafantrag aus. Nach der Befragung der früheren Mithäftlinge wurde der Prozess zur Anhörung weiterer Zeugen auf unbestimmte Zeit vertagt.