Erstellt am 29. November 2011, 12:50

Prozess wegen Vergewaltigung - Zweieinhalb Jahre Haft. Wegen Vergewaltigung, Nötigung und gefährlicher Drohung ist am Dienstag im Landesgericht Eisenstadt ein 43-jähriger Wahlburgenländer zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

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Der gebürtige Steirer soll laut Anklage im Zeitraum von März 2010 bis Juni 2011 seine damalige Lebensgefährtin im Südburgenland immer wieder mit Gewalt zum Geschlechtsverkehr gezwungen und sie außerdem bedroht haben. Der Angeklagte bekannte sich nicht schuldig. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Der 43-Jährige habe die heute 33-jährige Frau Ende 2009 kennengelernt. Im Jänner 2010 begannen beide eine Beziehung, in die die Frau ihre vier Kinder mitbrachte, so die Staatsanwältin. Nach einem "einigermaßen" harmonischen Beginn sei die Frau im März 2010 schwanger geworden. Damals habe der Angeklagte begonnen, zu versuchen, Druck auf sie auszuüben. Der Angeklagte habe von seiner Lebensgefährtin massiv Geschlechtsverkehr eingefordert. Bei den Übergriffen habe er die Frau an den Händen festgehalten und ihr die Beine auseinandergedrückt: "Es gibt eine massive körperliche Überlegenheit des Angeklagten", erklärte die Staatsanwältin.

"Die Übergriffe haben sich mehrmals wöchentlich wiederholt", so die Anklägerin. Die Frau habe dabei blaue Flecken und Blutungen erlitten. Außerdem habe er der Lebensgefährtin mit der Ermordung durch die Mafia gedroht. Als die Frau in eine Sozialeinrichtung umzog, kam ihr der 43-Jährige bald nach, bis er nach zwei weiteren Vorfällen das Haus verlassen habe müssen. Im Frühjahr 2011 bezogen beide nochmals gemeinsam ein Haus. Im Juni soll der Angeklagte die Frau auf der Rückfahrt vom Einkaufen im Südburgenland in einem Waldstück auf die Motorhaube gedrückt und erneut vergewaltigt haben.

Bei der Wiedergabe der Befragung der 33-Jährigen wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Die Aussage der Frau spreche dafür, "dass sie sehr wohl die Wahrheit gesagt hat", erklärte die Staatsanwältin: "Sie ist eigentlich das Tatopfer schlechthin, wie man es sich nur vorstellen kann."

Der Angeklagte erklärte zu den Vorwürfen, er vermute Eifersucht seiner Ex-Freundin als Motiv. Am Anfang sei die Beziehung "ganz normal" verlaufen, schilderte er vor Gericht: "Ich hab sie nicht gezwungen zu irgendetwas." "Diese Anschuldigungen sind von vorne bis hinten unwahr und unrichtig", erklärte Farid Rifaat, der den 43-Jährigen verteidigte: "Es wird der Herr Angeklagte als Ungeheuer hingestellt." Die Realität in dem Fall sei "eine ganz andere", argumentierte der Jurist: "Auslöser der Anzeige der Ex-Lebensgefährtin war Eifersucht auf eine andere Frau."

Die Frau habe den 43-Jährigen zunächst des Drogenbesitzes beschuldigt: "Sie hat gedacht, er würde mit dieser Anzeige bin Haft kommen." Das Verfahren wurde jedoch eingestellt. Im Juni dieses Jahres habe die Frau dann erstmals behauptet, dass sie vergewaltigt worden sei: "Hinter diesen Vorwürfen steckt genauso wenig wie hinter den ersten Vorwürfen mit dem Suchtgiftmissbrauch", erklärte der Jurist. "Wir haben im Beweisverfahren keinen tragfähigen Beweis, um den Angeklagten zu verurteilen", deshalb bitte er um einen Freispruch.

Der Schöffensenat sprach den Angeklagten schuldig. Er wurde neben der Haftstrafe auch zur Zahlung von 1.000 Euro Schmerzensgeld verurteilt. Der Anwalt der 33-Jährigen hatte 20.000 Euro als Forderung angemeldet. Das Gericht folgte in seinem Schuldspruch den Angaben der Ex-Lebensgefährtin zum Teil: "Der Senat geht davon aus, dass nicht alles so ist, wie sie es geschildert hat", erklärte der Vorsitzende. Zwischen dem Angeklagten und der Frau habe es "sehr wohl" eine Beziehung gegeben, "die nicht nur von Angst, sondern auch von Zuneigung geprägt war."

Die Ex-Lebensgefährtin habe in mehreren Fällen auch für den Angeklagten erkennbar zum Ausdruck gebracht, "dass sie den sexuellen Kontakt nicht will", so der Richter. Während kein mildernder Umstand für den 43-Jährigen spreche, seien die Mehrzahl der Übergriffe und das Zusammentreffen von strafbaren Handlungen als erschwerend zu werten. Der Angeklagte erbat sich Bedenkzeit, die Staatsanwältin gab keine Erklärung ab.