Erstellt am 25. Oktober 2011, 12:45

Schlepper-Prozess mit 22 Angeklagten gestartet. In Eisenstadt hat Dienstagvormittag einer der größten Schlepperprozesse begonnen, die bisher im Landesgericht verhandelt wurden. 22 griechische Staatsbürger, die im August von der Polizei in Wien bei der Kontrolle eines Reisebusses festgenommen wurden, sind der gewerbsmäßigen Schlepperei angeklagt.

Im Bus wurden in Verstecken 30 afghanische Flüchtlinge transportiert und nach Österreich geschleppt. Zum Auftakt des Verfahrens verantworteten sich die Beschuldigten bis auf wenige Ausnahmen laut den Ausführungen ihrer Verteidiger zumindest teilweise geständig. Sie bestritten jedoch zumeist, von den im Bus versteckten Afghanen gewusst zu haben.

Staatsanwältin Beatrix Resatz warf den Beschuldigten vor, für ein in Aussicht gestelltes "Zubrot" von 100 Euro pro Person "als Staffage" für eine Schlepperfahrt fungiert zu haben. Dabei hätten sie in Kauf genommen, dass eine größere Anzahl von Menschen für längere Zeit in einen qualvollen Zustand versetzt worden sei.

Die Beschuldigten stammten aus einem georgisch bevölkerten Stadtteil von Thessaloniki. Es sei bekannt, dass dort von kriminellen Organisationen als "Touristenbüros" getarnte Einrichtungen betrieben würden, um für solche Schlepperfahrten Personen anzuwerben. Von so einem Büro seien auch die Angeklagten angeworben worden, so die Staatsanwältin.

"Sie wussten, dass sich in dem Bus Verstecke befinden, wo auch Personen geschleppt werden", hielt ihnen die Anklägerin vor: "Sie machen diese Fahrten, um sich eine fortlaufende Einnahmequelle zu verschaffen." Die Verstecke, die sich unter den Sitzen befanden, seien rund 25 Zentimeter hoch gewesen. Die Geschleppten seien "regelrecht in den Bus hineingeschlichtet" worden. Vor Antritt der 24-stündigen Fahrt bekamen die Afghanen Kekse und Wasser.

Während der Tour seien sie ein- bis zweimal aus ihren Verstecken ins Freie gelassen worden, um ihre Notdurft zu verrichten. Von selbst konnten sie die Verstecke nicht verlassen, da diese nur von außen zu öffnen gewesen seien. Geschleppte hätten auch ausgesagt, dass sie in den Verstecken zu wenig Luft bekommen hätten. Einige hätten gesagt, sie hätten befürchtet, dass sie überhaupt die Fahrt nach Wien überstehen würden, so Resatz.